vun 1973 bis 1998

vun 1973 bis 1998

"Sie prunken, aber sie protzen nicht"

Beim Herrenkommerz im Gürzenich rühmte Festkomiteepräsident Ferdi Leisten (Funkenspitzname "Päädche") die Funken: "Sie prunken, aber sie protzen nicht". Sie seien allezeit daß kölscheste Korps im kölschen Fasteleer. Zum stolzen Jubiläum wollten die Funken etwas ganz Besonderes für alle Kölner auf die Beine stellen. Ein karnevalistisches Feldlager auf dem größten Platz in der Stadt sollte ein einmaliger Knüller sein und wurde dann zum Dauerbrenner: Das Funkenbiwak auf dem Neumarkt. Nicht nur zu Hause, sondern auch in fremden Ländern wurden die Funken herzlich empfangen. 1974 beispielsweise wurde die 1961er Reise nach New York zur Steubenparade samt Freunden und Frauen der Funken wiederholt.

1978 zog es die Kölschen erneut in die Neue Welt. Los Angeles, San Franzisco und Las Vegas waren die Hauptreiseziele. 1981 sprach ein Düsseldorfer Funken-Fan names Michael Dux, von Beruf Generalkonsul, eine Einladung nach Denver aus. Das Schmölzje sah unter anderem New Orleans, Las Vegas und Orlando. Vielen ist noch die offizielle Teilnahme an der Mittagsparade von Disney-World in Orlando/Florida in bester Erinnerung.

Ein Jahr später wieder eine große Tour, diesmal nach Namibia/Südafrika. 1989 hatten sie die Ehre, Deutschland in Spanien zu vertreten. Auf Initative des Bundes deutscher Karneval fuhren 50 Funken ins Südspanische Murcia. Im Mai 1996 schließlich machten sich 45 Funken zur nächsten 14tägigen Fahrt nach Amerika auf: Philadelphia, die Niagarafälle, Toronto/Kanada waren einige Ziele. Anlaß war eine Einladung von Kölns Partnerstadt Indianapolis.

Natürlich nahmen die Funken an der Großen Parade teil. Die dortigen Journalisten zeigten stets reges Interesse am Leben in Köln. Begehrt waren die Funken auch beim heimischen Fernsehen. Sie gehörten zu den Darstellern bei der WDR-Serie "So lebten sie alle Tage", die 1983 mitten im Sommer auf dem WDR-Gelände in Bocklemünd gedreht wurde. "Geheimnisse der Severinstraße" war eine weitere Produktion, in der sich die Funken als begabte Schauspieler bewiesen. Insgesamt standen die Funken zigmal vor der Kamera, auch in ihrem Domizil am Sachsenring. In die grundlegende Sanierung der Ulrepforte steckten die Funken allein von 1991 bis 1994 insgesamt 650.000 Mark. 1993 - ihr Präsident, dessen Herzblut den Funken gehört, wurde 65 Jahre alt - machten die Funken nicht zuletzt auch der Stadt ein dickes Geschenk, das für jeden sichtbar ist: Man feierte Richtfest für die Rekonstruktion des Südturmes an der Ulrepforte, die nach historischen Vorlagen erfolgte. Das alte Flachdach, das ständig feucht gewesen war, wurde durch ein mit Moselschiefer gedecktes Dach ersetzt, gleichzeitig entstand dort ein neues, großzügiges Zimmer. Finanziert wurde das Bauvorhaben (Kostenpunkt: Zusätzlich zu den in drei Jahren investierten 650.000 Mark noch einmal 400.000 Mark) von den Roten Funken, dem Ülepooz-Verein sowie von der NRW-Stiftung für Natur und Denkmalschutz. Am 10. Februar 1994 lud das Korps zur Einweihung des frisch renovierten Turms. Bei soviel (Bau)-Arbeit durfte natürlich das Feieren nicht zu kurz kommen: 1990 nahmen die Funken das Hotel Maritim als Ballhaus in Besitz. Einige Jahre zuvor war der Rosenmontagsball im Gürzenich mangels Nachfrage auf Eis gelegt worden. Vom Umzug in das Maritim erhoffte man sich neue Impulse. Jahr für Jahr sind die Karten für diesen Ball heißbegehrt. Es ist der Ball der Roten Funken, der als erster ausverkauft ist. Und die Funken setzen auch auf die Jugend und das mit großem Erfolg. Am 26. Februar 1992, dem Mittwoch vor Weiberfastnacht, ging die Premiere einer bis heute begehrten Veranstaltung über die Bühne: Im Congreß-Saal der Messe startete die erste Kindersitzung der Roten Funken - mit großzügiger Unterstützung von Sponsoren wie Messegastronomin Herta Reiss. 1200 Pänz kamen beim ersten Mal, bei dem Präsident Hansgeorg Brock das kindgerechte Programm liebevoll servierte. Inzwischen ist die Kindersitzung in den Kristallsaal der Messe umgezogen. Am 29. September 1995 stand ein Wachwechsel im Senat an. Ex- Regierungspräsident Dr. Günter Heidecke gab nach zehn Jahren sein Amt als Senatspräsident an Gisbert Brovot, langjähriger Funken-Vize, 1. Knubbel-Führer und Ehrenpräsident des Festkommitees, ab. Am 11.Februar 1996 bekam der "Boß" zu Hause Besuch von Funkenwache und Musikzug. Hansgeorg Brock, Präsident und Kommandant der Roten Funken, war 50 Jahre zuvor als Mitglied der Gesellschaft beigetreten und mit 30 Jahren Amtszeit längster amtierender Präsident der Roten Funken. Das nahmen die Funken zum Anlaß, ihren Chef ganz besonders zu ehren. Der 3. Knubbel spielt bei den Feierlichkeiten zum 175jährigen Jubiläum eine besondere Rolle. An einem eigens geschaffenem kleinem Plätzchen neben der Ulrepforte, das ein gemauerter Rundbogen begrenzt, wird künftig eine lebensgroße Bronzefigur, ein "müder Funk", stehen. Er trägt das Zeichen des 3. Knubbels, den Dilledopp. Die Figur wurde von Willi Neffgen geschaffen und am 11.11 feierlich eingeweiht.

Welche Bedeutung die Funken für den Karneval haben, zeigt auch die offizielle Briefmarke, die das Postministerium zum Jubiläum 175 Jahre "Kölner Karneval" herausgebracht hat.

Den bundesweiten Wettbewerb gewann der Chemnitzer Grafik-Designer Harry Scheuner. Die Marke, die am 5.Februar 1997 von Postminister Dr. Wolfgang Bötsch im Rathaus übergeben wurde, zeigt zwei Rote Funken beim Stippeföttche-Tanz.