vun 1948 bis 1972

vun 1923 bis 1947

Der Krieg hatte Köln in Schutt und Asche gelegt. Funken, die die schrecklichen Wirren überlebt hatten, gehörten zu den ersten, die in die Hände spuckten, um sich an den Wiederaufbau zu machen.

Sie waren auch die ersten, die wieder durch die Ruinen Kölns zogen. 1948 - es gab noch keinen Zog- marschierten sie Rosenmontags umjubelt durch die Straßen und feierten so ihr 125 jähriges Bestehen. In dieser schlechten Zeit kamen dennoch 2500 Leute zur - für damalige Zeiten- glanzvollen Jubiläumssitzung im Williamsbau, dem früheren Winterzirkus an der Aachener Straße.
Die Funken standen auch in der ersten Reihe, als es darum ging, den Gürzenich zu entschutten. Am 11.11.1955 zogen sie mit Fackelzug und klingendem Spiel als erste Karnevalsgesellschaft in den fertigen Gürzenich ein. Im selben Jahr begannen sie eine Aufgabe, die einem Kraftakt glich: Sie entschutteten ihr eigenes späteres Hauptquartier, die Ulrepforte. Die Stadt überließ der Gesellschaft die mittelalterliche Torburg in Erbpacht. Ganz nach dem Satz "mer kennt sich, mer hilf sich" stellte damals Vorstandsmitglied Fritz Fuhr, als Bauunternehmer mit dem Spitznamen "Zementbüggel", das notwendige Rüstzeug zur Entschuttung - und übernahm anschließend mit seiner Firma die Wiederaufbauarbeiten. Am ersten Tag wurden 28 Lastwagen Schutt abtransportiert.

Selbst der damalige Bürgermeister Theo Burauen, der als Oberbürgermeister später den Rote-Funken-Namen General "Flintenbein" erhielt, packte mit an. "Umzug" war bereits am 30.9.1956. Mit wölle Krätzche und Besenstielen, vorneweg die Regimentsmusik des Hardy von den Driesch, zogen die vier Knubbel über die Ulrichgasse zum fahnengeschmückten Turm. Die Funken hatten endlich eine feste Bleibe, und was für eine! Viele Einrichtungsschätzchen, darunter die Szenen aus dem Funkenleben des Kunstmalers Jupp Stolzen- konnten über den Krieg gerettet werden und viele wurden gestiftet. Es seien nur einige Beispiele genannt, die der Ülepooz ihre besondere Gemütlichkeit geben: Die Farbglasfenster, darunter eines im Senatszimmer, das die die Postwagengruppe im Rosenmontagszug verewigt hat. Außerdem acht prächtige Sessel des Senatszimmers, in die alle Wappen und Zeichen Kölner Geschlechter und Handwerke eingeschnitzt sind, dazu gibt's einen passenden Tisch. Die Schmuckstücke stammen aus dem Nachlaß des Funkenfreundes Heinrich Becker. Zu den Schmuckstücken gehören auch der Intarsientisch , die holzgeschnitzten Funkenfiguren auf den Lampenbalken in der Wachstuvv, die Wetterfahne mit zwei wibbelden Funken, die Torbeleuchtung und die beiden Kanonen auf den Ecken der Caponniere. Und nicht zu vergessen die Funkenuhr, die das Korps aus Anlaß des 75. Geburtstags von Präsident Hamacher "Hardes vun Fluh", 1963 stiftete. Das Ziffernblatt zeigt den damaligen Präsidenten und Kommandanten Hamacher, der auf einem Floh reitet. Und damit man sich all die schönen Dinge auch zukünftig leisten kann, hatte Senatspräsident und Funkengeneral "Nippfigürche", seinerzeit der wichtigste Mann in der Kölner Porzellan-Brache, zu seinem 65. Geburtstag die "Fritz Everhan Stiftung" zur Erhaltung und zum Ausbau der Ulrepforte ins Leben gerufen. Heute ist der Haupttitel der Stiftung Freunde und Förderer der "Ühlepooz", mit "h" geschrieben, daran sieht man, daß die kölsche Schreibweise eine Glaubensfrage ist. Auch nach dem Krieg betrieben die Roten Funken aktive "Außenpolitik", sie blieben, anders als ihre Vorgänger nicht in den Stadtmauern stecken, sondern eroberten die Welt. Dabei ging's 1955 gleich hoch hinaus, das Korps reiste auf die Zugspitze. Weit weg zog es eine Funkenabordung 1961. Am 30. September nahmen sie an der New Yorker Steubenparade teil. Und dort geschah etwas Einmaliges. Mit ausdrücklicher Genehmigung der Kölschen Funken darf sich seitdem eine Vereinigung von Deutsch-Amerikanern mit dem offiziellen Titel "Kölsche Funken rut-wieß vun 1823 seit 1961 in New York" schmücken. Die amerikanische Begeisterung für das Kölner Korps geht soweit, daß zumindest in den Anfangsjahren Uniformen nach Maß in Köln geschneidert wurden und dann nach New York gingen. Was die Funken alles so treiben, das wird seit 1968 in der Zeitung "Stippeföttche" zur Kenntnis gebracht. Die "Funkepoß aus d´r Ülepooz, Intelligenzblättche der Kölsche Funke rut-weiß vun 1823" wird sogar bis in die USA verschickt. Überhaupt sind ausländische Gäste stets beeindruckt vom Funken-Leben. Höchste Militärattachés wohnen alljährlich mit Begeisterung dem Korpsappell mit Regimentsexerzieren der Funken bei. Noch ein paar Worte zur Satzung. Dort ist auch für den Fall, der hoffentlich niemals eintreten wird, Vorsorge getroffen worden. Sollten sich die Funken einmal auflösen, dann fällt das Eigentum der Gesellschaft an die Stadt - unter der Verpflichtung, das Barvermögen zur Pflege kölnischer Eigenart und Sprache zu verwenden und die Kunstgegenstände und Erinnerungsstücke in einem Museum auszustellen. In einem solchen Fall müssen sich auch die Knubbel unterordnen: "Bei Auflösung des Vereins sind auch die Knubbel aufgelöst", heißt es in der Satzung. Aber keine Angst, die Roten Funken haben soviel überlebt, sie werden nicht wie ihre Vorgänger eines Tages spurlos verschwinden. Zukunftspläne gab's und gibt's zuhauf, und sie werden in die Tat umgesetzt. So haben die Funken inzwischen das Tiefgeschoß des Caponnierebaus bis unter die Fahrbahndecke des Sachsenrings für die urgemütlichen Knubbelabende ausgebaut. Mit diesem ehrgeizigen Bauvorhaben wurde 1972 begonnen.