vun 1923 bis 1947

vun 1923 bis 1947

Die Roten Funken wären nicht die Roten Funken, hätten sie 1923 nicht das noch geltende Karnevalsverbot ignoriert und zu ihrem 100 jährigen Bestehen nach Kräften auf die Pauke gehauen.

1500 Herren waren im großen Saal der Bürgergesellschaft am Appellhofplatz gekommen, um mit den Funken, an ihrer Spitze der Heimatschriftsteller Professor Dr. Wilhelm Schneider-Clauß, die Gläser zu erheben. Es war zugleich die erste Sitzung des späteren Festkomitee-Präsidenten Thomas Liessem, damals 22 Jahre alt. Er schwärmte: "Die später erregt diskutierte Jubiläumsschau der Roten Funken hatte mich so beeindruckt, daß ich von Stund an dem Karneval restlos verfallen war. Ich wurde Roter Funk und hatte das Herz, die Bütt zu erklimmen." Erregt diskutiert, weil die Feier am 7. Januar 1923 fast zu einer politischen Kundgebung geworden wäre, die Franzosen hatten das Ruhrgebiet besetzt. Die immer noch andauernde Suche der Gesellschaft nach einem geigneten Kasino bewogen ein ehemaliges Mariechen der 1890er Jahre, den Kommerzienrat Dederichs, der inzwischen in England lebte, den alten Freunden eine großzügige Spende zukommen zu lassen. Dederichs stiftete eine Million Mark. Leider hatte die Inflationszeit begonnen. Der Erwerb eines Kasinos kam nicht zustande, aber die Funken ließen das Millijönche nicht ganz verfallen: Ein Fuder 22er "Adelgunder Lay" wurde erstanden, das Faß im Keller des Funkenmitglieds "Schobbe" gelagert, und in Flaschen gefüllt. Ein Jahr später, die Gesellschaft nutzte das jecke Jubiläum 111 Jahre gerne noch einmal zum kräftigen Feiern, quartierten sich die Funken in ihrem ersten Kasino ein: Im Keller des Restaurants "Weihenstephan" an der Schildergasse. Das Jahr 1924 ist der Start einer schweren Prüfung für die Gesellschaft, eine Zeit von Zerrissenheit und schwerer innerer Streitigkeiten. Christian Witt "vun Gubü" wurde Präsident (bis 1930). Er war ein humorvoller Mensch, war als Type "Professor Säuerlich" begehrter Büttenredner, hatte Possen und Revuen geschrieben. Im Verein krachte es an allen Ecken und Enden. Die Auseinandersetzungen drohten zu Abspaltungen zu führen, "Meuterer" gruppierten sich um Witt. Der trat schließlich zurück und mit ihm der langjährige Kommandant Ernst Bluhm. Der Professor kam zurück, Schneider-Clauß erhielt den Spitznamen "Rutsteff" und gab den Korpsbefehl aus: "De Zick eß schlääch, eß better schlääch, wie se noch nie gewäß eß", gleichzeitig galt die Parole: "Rut un wieß eß uns Klör, blöht wie Schnei, glöht wie För. Kölsch et Häätz, kölsch d§r Klaaf, Söß ov soor- Köll§n alaaf!"

Es war damals ein offenes Geheimis, daß im Haus des Präsidenten die Ehefrau der Präsident war. Tatsächlich schaffte sie es, als erste Frau auf dem Funkenwagen im Zog mitzufahren. Der Gatte trat am 17. März 1933 von seinen Funkenämtern zurück. Es drehte sich ein Kommandanten- und Präsidentenkarussell: Für eine Session 1934/35 leitete Schwimmerboß Jupp Moher, "Jupp vun Düx", das staatse Korps, im Sommer 1935 wird er vom Baas des Kölner Männer-Gesang-Vereins (KMGV), Johannes Wiesbaum ("Schäng vun d'r Wolkenburg"), abgelöst. Kommandant der aktiven Funken wurde 1934 Jakob Juli, "Köbes vun Neppes", sein Amt übernahm 1935/36 Jakob Berg, "Köbes vun un zo d'r Fleut".

Der wiederum mußte 1936 sein Amt niederlegen, weil es Kompetenzschwierigkeiten zwischen ihm und dem Präsidenten gab, und das war meist so, wenn zwei starke Persönlichkeiten aufeinander trafen. Diese Erfahrung führte schließlich zur Satzungsänderung am 15. April 1936: Ab da mußte der Präsident auch Kommandant sein, und Wiesbaum schlüpfte in diese Rolle. Durch Wiesbaums enge Verbindung zum KMGV wechselten die Funken mit ihren Kasinoabenden in die Wolkenburg des KMGV. Bereits in den 30er Jahren zog es die reisefreudigen Funken in die Ferne. So besuchten sie 1935 den Müchner Fasching. Ein Jahr später bereicherten die Funken im Sommer den internationalen Festzug beim Hamburger Weltkongreß für Freizeitgestaltung und Erholung. Eine Traumreise folgte 1937 zur Pariser Weltausstellung. Besuche in Berlin, Rotterdam und Mainz fanden statt. Nach den Ende des 2. Weltkriegs erwachten die Funken aus tiefer Ohnmacht. Der damalige Schriftführer Eberhard Hamacher verkündete: "Wir leben noch" und alle Funken, deren Adresse er ausfindig machen konnte, forderte er auf: "Dä Kreeg eß am Engk, Uns Kölle ging drop. Funk, späu en de Hängk un bau widder op!"

Das war gleichzeitig die Einladung zur ersten Kontrollversammlung am 29.9.1945. 56 Funken kamen zum Restaurant "Em Hondersch" am Hahnentor.

Am 8. Dezember fand die erste Nachkriegsversammlung im Saal "Stadt Nürnberg" am Weidenbach statt. Dabei legte Präsident Wiesbaum wegen seiner "braunen" Vergangenheit seine Ämter nieder. Es begann die Ära des langjährigen Präsidenten Eberhard Hamacher. Funkenmitglied seit 1925, Mitglied des Vorstands, Chronist und Generalpostmeister, war er 57 Jahre alt, als er Präsident und Kommandant der Roten Funken wurde; sein Spitzname: "Hardes vun Fluh". Als sich am 14. September auf Initiative von Hamacher das Festkomitee mit Vertretern verschiedener Gesellschaften zur konstituierenden Sitzung nach dem Krieg traf, da geschah das in der "Funkenburg", dem Kasino, das die Gesellschaft am 2. März 1946 im Haus am Sachsenring 24 bezogen hatte.Bereits 1946 wurden wieder 12 Rekruten auf d'r Plaggen vereidigt. Darunter war, 18 Jahre alt, der heutige Ehren-Präsident und Ehren-Kommandant Hansgeorg Brock, damals noch "Stätzge" und später als Präsident "Et Stätzge vun d'r Ülepooz".