vun 1898 bis 1922

vun 1898 bis 1922

Die erste Zeit nach dem 75jährigen Bestehen der Roten Funken brachte rasche Wechsel an der Spitze des Traditionskorps.

1900 wählten die Funken Gerhard Becker zu ihrem Kommandaten, und er erhielt den Spitznamen "Grades de Trumm". Erst ein Jahr zuvor hatte es einen Wechsel im Präsidentenamt gegeben, als der aktive Funkendoktor Hermann Böhmer ("Dr. Nötz") die Nachfolge von Bormkessel als Präsident antrat. Er wechselte schon 1902 ebenfalls als Präsident zur Großen Kölner Karnevalsgesellschaft.

Als Böhmer ging, übernahm Kommandant Becker gleichzeitig das Präsidentenamt. Er blieb ebenfalls nur wenige Jahre, 1907 entschied er sich für die Leitung der Großen Karnevals-Gesellschaft. Nachfolger von Becker bei den Roten Funken wurde - für ein Jahr- 1908 das langjährige Vorstandsmitglied Jean Meid, "vun Truffel". 1909 trat er ab und machte Platz für eine neue Funken-Ära. Zwei starke Figuren übernahmen das Ruder im Korps.

Präsident wurde der Kaufmann, Junggeselle und - wie diejenigen, die ihn kannten, überliefert haben - einer der größten Idealisten, Theo Schaufuß, "de Pläät". Ihm stand der Fotograf Ernst Bluhm, "Blom vun d§r Ehrepooz", als Kommandant zur Seite und dieses Ehrenamt behielt Bluhm 22 Jahre lang, bis 1931. Bluhm war ein Kommandant, der streng durchgriff. Er soll die Aktiven bei Tanz- und Wibbelabenden höchstpersöhnlich gedrillt haben. Angeblich gab es niemanden, der sich drücken konnte.

Zucht und Ordnung zahlten sich aus: Vor dem 1. Weltkrieg präsentierte Bluhm "seine" Funken häufig den in Köln weilenden Fürstlichkeiten und höchsten Militärs. Und dafür wurde der Kommandant stets ausgezeichnet. "Nicht unerwähnt bleiben darf, daß Rote Funken am Rosenmontag vor dem Rathaus und dem Regierungsgebäude nach jahrelangem alten Brauch vor den auf den Balkonen versammelten Honoratioren die offiziellen Ehrenbezeugungen der Stadt Köln machten", schreibt später Funken-Präsident Eberhardt Hamacher. Im Gegensatz zum strengen Kommandanten Bluhm liebte Präsident Theo Schaufuß bei den Zög offenbar den einfachen Auftritt. Vor 1914 trug er als Feldwebel stets mit Stolz die alte Funkenfahne.

In den Jahren des 1. Weltkrieges verehrten die Funken, die an der Front standen, ihren Präsidenten als väterlichen Freund. Es gibt im Archiv der Funken ganze Postkartenbände aus der Zeit, Karten, adressiert an "Theo de Pläät", deren Texte grenzenlosen Heimweh und glühende Heimatliebe verraten.

Ende des 1. Weltkrieges, 1918, starb Theo Schaufuß. Die Funken erichteten ihrem Präsidenten ein prächtiges Grabmal auf dem Südfriedhof. Bis 1965 war dieses Grabmal Ziel der Funkentrauerparade am Allerheiligentag, die zum Andenken an die Toten des Korps durchgeführt wird. Seit 1966 zieht die Trauerparade zum Grab des langjährigen Funken-Präsidenten Hamacher. Noch 1919 wurden von der Regierung in Berlin und von den Besatzungsmächten ein Karnevalsverbot ausgesprochen. Man traf sich allenfalls in privaten Runden.

Nach dem Tode von Theo Schaufuß übernahm Vorstandsmitglied André Welter, "Quallmann", die Präsidentenschaft. Angesichts des Karnevalsverbots machte er aus der Abkürzung für "Kölner Funken-Infanterie": K.F.I. den Verein "Kölner Familienkreis Internum". Was sich entwickelte, war ein Verein, der ab 1922 den Charakter einer Kasinogesellschaft annahm. Die erste größere Zusammenkunft der Funken nach dem 1. Weltkrieg fand am 26.Juli 1919 in Urbans Burghof an der Hohe Straße statt.

Als sich der Druck auf die Karnevalisten abschwächte, änderten die Funken ihren Namen wieder.

Ab dem 21. Oktober 1922 heißen sie "Kölsche Funke rut-wieß vun 1823".