vun 1873 bis 1897

vun 1873 bis 1897

Über die karnevalistischen Aktivitäten der Funken Anfang der 1870er Jahre ist nicht allzuviel bekannt.

1879 zog ein strahlender Prinz durch Köln, der zwei Jahre später Nachfolger von Präsident Reintgens wurde: Ferdinand Hellmers, genannt "de Teut". Unter der Regie von Präsident Hellmers wurde die "Funken-Infanterie" erst Karnevalsgesellschaft mit einem dauerhaften Session-Sitzungsprogramm. Zuvor hatte es lediglich Exerzierstunden gegeben, denen ein geselliges Beisammensein folgte, das man auch nutzte, um sich auf den kommenden Zog vorzubereiten.

Nach 1880 dann wurde zu reinen Herrensitzungen geladen, deren Leitung der Kommandant übernahm. "Highlight" im Programm war schon damals das Funkenexerzieren mit Knabbüß, Wibbeln und Stippeföttche. Daß es das weltberühmte Stippeföttche, das sich übrigens zeitweise auch mit "v" schrieb, schon in den frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab, belegt ein Gruppenbild des Korps von 1883. Dort sieht man Funken bei der Parodie auf streng militärische Aufmärsche der Preußenzeit. Zu erkennen ist dort auch, daß die Funkenmützen zu der Zeit oben abgerundet waren. Und während der Mützenschmuck früher aus einem Stadtwappen bestand, aus dem das Grenadierfeuer herausschlug (vielleicht ist das der Ursprung des Namens "Funken"), ist 1883 bereits "Pief un Böckem" oder "Böckem un ähde Nötz" am Wappen der Mütze. Übrigens wird in den 1880er Jahren am Säbelportepe der Uniform nur der Öllig erwähnt. Man vermutet, daß er ursprünglich Ersatzfunktion für verlorengegangene Säbbeltroddel hatte. Aber zurück zu den Sitzungen. Hier sorgten in der Zeit nicht nur die Funken für ein munteres Programm: auch die Gäste durften sich vor Publikum als Büttenredner beweisen. Den Hauptteil solcher karnevalistischen Treffen nahm der Gesang ein. Ausgesprochen patriotische Töne bestimmten die Lieder in der Bismark-Ära. Da wurde noch nicht das Mariechen, sondern die "Germania" besungen. Verfechter solcher vaterstädtischer Töne war der Gründer der Blauen Funken, Franz Bourgeois. Der leitete den "Nationalen Club" und soll keinen Sinn für die von den Roten Funken so humorvoll dargebrachte Preußen-Persiflage gehabt haben.

Die Roten Funken begannen sich in der Folgezeit zunehmend aus ihre Tradition zu besinnen. Ein Indiz dafür ist der Plaggen, der auf alt getrimmt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch der Funkenmarsch, Funkentanz und das Mariechen. 1886 trat Gustav Delphy die Nachfolge von Präsident Hellmers an.

Delphy wurde 1887 abgelöst von Karl Bormkessel ("Brummpott"). Neben ihm - der Eisenbahningenieur blieb bis 1899 Präsident - trat 1888 Funkengeneral "Manes vun Klatschemann", Herrmann Faßbinder, als Kommandant. Die beiden führten auch Regie, als der Marsch der Kölner "Funken-Infanterie" erschien: Start unter anderem für das beliebte Ausschwärmen zum "Bützen". Texter des Funkenmarsches war Adolf Metz, Mitbesitzer des Domhotels, die Musik stammte von Professor Hermann Kipper, Funken-Spitzname:"Jodocus Fleutebein". Kipper war damals eine Berühmtheit in Köln und noch dazu ziemlich einflußreich. Er war Musikreferent der Kölnischen Volkszeitung und Gesanglehrer am Kölner Marzellen-Gymnasium in der Marzellenstraße. Ein genußfreudiger Kölner, der Spitzname "Pomery" für Stabstrompeter Reinhold Fellenberg deutet darauf hin, ergänzte Kippers Marschmusik später mit: "Ritsch, ratsch de Botz kapott".

Aber die Anfang 1890er Jahre brachten noch eine weitere Neuerung ins Funkenleben. Bormkessel und Faßbinder nämlich führten Funken- und Mariechentanz ein. Der Text "Marieche, Marieche, wo is dann dinge Jung, om Nümaat, om Nümaat un schleit de decke Trumm" stammt übrigens aus der Feder des Journalisten Peter Paul Faust, die Musik komponierte Alfred Beines. Getanzt wurde nach der Choreographie des Tanzlehres Friedrich Gosewich, der dazu Motive alter Funken-Darstellungen umgesetzt hatte. Bei der Uraufführung des Funkentanzes, Rosenmontag 1895, trat das erste weibliche Funkentanzmariechen des Karnevals auf. Das allerdings sollte eine Ausnahme bleiben. Vorher und lange Jahre nachher war diese Rolle den Männern vorbehalten. Auf dem schon erwähnten Gruppenbild der Funken von 1883 sind zwei Mariechen zu sehen, beide sind männlich. Und auch in den Funkenstammrollen von 1880 bis 1935 sind viele Funken verzeichnet, die den Spitznamen "Mariechen" trugen und als solche auftraten. Ob die männlichen Mariechen schon vor 1890 Tänze aufführten, weiß niemand. In den alten Funkenliedern jedenfalls werden sie nicht erwähnt. Trotz aller Regeln traute die Obrigkeit offenbar damals den Karnevalisten nicht über den Weg. So mußte Präsident Bormkessel Jahr für Jahr bei der Polizei um Genehmigung des Sessionsprogramms nachsuchen.

Es existiert noch ein Schreiben mit der Nachricht, daß sich die Carnevalsgesellschaft Kölner Funken-Infanterie für das Jahr soundsoviel wieder gebildet hat. Als ob die Funken nicht von Anfang an Gesellschaft gewesen wären und sich statt dessen jeweils an Aschermittwoch wieder aufgelöst hätten! Bereits in den 70er Jahren nahm das Korps neue Mitglieder genauer unter die Lupe. Vorbei die Zeiten, als sich gewissermaßen jeder, solange er männlich war, melden konnte, "för em Fasteleer de Funke zu maache". 1897, ein Jahr vor dem 75 jährigen Bestehen der Funken, war der Gastwirt Gerhard Becker umjubelter Prinz Karneval.