vun 1823 bis 1872

vun 1823 bis 1872

Diese Stadtsoldaten mit ihren roten Röcken hatten nichts zu lachen

Als die Roten Funken 1823 erstmals im Kölner Rosenmontagszug auftauchten, den das Festordnende Commitee organisiert hatte, da erinnerten sie an eine Truppe, die knapp 30 Jahre zuvor von den in Köln einmarschierenden Franzosen vertrieben worden war. Diese Stadtsoldaten mit ihren roten Röcken hatten nichts zu lachen. Sie waren dem Gespött der Kölner ausgesetzt, miserabel besoldet und Vorgesetzten ausgeliefert, die nicht selten drauflos prügelten. Die Aufstellung dieser reichstätischen Miliz wird auf 1660 datiert. Tatsächlich muß die Freie Reichsstadt Köln schon früher Berufssoldaten gehabt haben. Sie hatte neben einer Bürgerwehr, die von den Gaffeln gestellt wurde, je nach Lage eine bestimmte Anzahl von Soldaten im Sold. Es waren Zaldate, die "kunnte nit scheeße", warum auch? Die Stadt war von einem Mauerring umgeben. Und wenn Gefahr drohte, kamen Kanonen zum Einsatz. So blieb den Vorgängern der Funken der Dienst bei der Gendarmerie und der Zollaufsicht an den Toren - eine von den Kölnern keineswegs geschätzte Tätigkeit. 1682 sah sich der Rat gezwungen, die Bevölkerung aufzufordern, sich gegenüber den Stadtsoldaten gefälligst anständig zu benehmen. Die Zaldate waren darauf angewiesen, zu ihrem Sold hinzuzuverdienen. Viele mußten sich den Nebenverdienst mit Strümpfe stricken sichern, viele verwahrten Kinder während das Gewehr nutzlos an der Wand lehnte. Dieses Leben konnten die meisten offenbar nicht nüchtern ertragen. Nicht selten ließen die Stadtsoldaten ihre Torwache außer acht, um dem "liederlichen Saufen beständig nachgehen zu können". Harte Bestrafungen waren an der Tagesordung: Von Stockschlägen und Strafeselreiten bis zum Arrest. Um so größer war und ist die Anerkennung, die die Roten Funken seit dem Verschwinden der Stadtzaldate bis heute genießen. Das Verblüffende ist, daß keiner der kölnischen Stadtsoldaten mehr gesichtet wurde, als im Oktober 1794 die Franzosen anrückten. Dennoch gab es 1798 noch ein neues Adreßbuch, in dem die Truppe mit Namen und Privatadresse aufgeführt war.

Es gibt keine Abbildungen der alten Stadtsoldaten. Aber man geht sicher davon aus, daß die Abbildungen der Roten Funken aus den ersten Rosenmontagszügen ab 1823 die Uniform-Ordung der Stadtsoldaten von 1794 als originalgetreue Kopie zeigen. Es war Ende 1822, als sich ein Kreis honoriger Männer in der Weinwirtschaft "Im Häuschen" hinter St. Ursula trafen. Es galt, den Wildwuchs im Karneval zu stoppen. Bei dieser Vorbesprechung für den Zog am 10. Februar 1823 hatte der 26 jährige Jurist und spätere Regierungspräsident Johann Heinrich Franz Anton von Wittgenstein die Idee zur Aufstellung einer Gruppe von Roten Funken. Sie bildeten die 5. Gruppe im Rosenmontagszug. Lange Jahre wahr man zwar der Überzeugung, daß die Funken vom ersten Rosenmontagszug im Jahr 1823 an immer dabei waren, aber man glaubte ebenso, daß sich da an Karneval über Jahre eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe fand, um die Funken im Zog zu machen. Tatsache ist aber wohl, daß die Funken sich schon Ende 1823 in einem geregelten Verein organisiert hatten. Am 21.2.1824 beispielsweise rief das Commité der Kölnischen Funken in einem Artikel der Kölnischen Zeitung zur Hauptversammlung des Kölnischen Funkenkreises auf. Diese Zeitungsnotiz wurde erst 1970 im Archiv der Universität zu Köln entdeckt.

Rote Funken - Geschichte
Im Sommer 1997 fand Dr. Michael Euler-Schmidt, stellvertretender Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, einen weiteren Beweis: Er entdeckte in der Kölnischen Zeitung folgenden Artikel vom 14. Februar 1824: "Zur Bewachung unseres Helden Carneval haben sich mehrere Fastnachtsfreunde vereint, eine Ehrenwache zu Fuß zu errichten." Erster Kommandant der Roten Funken war ein gewisser "Herr vun Künnigsfeld". Er wird 1824 erstmals erwähnt und bis 1852 wird kein anderer Name in diesem Zusammenhang genannt. Einige glaubten, es handelte sich bei General vun Künnigsfeld um einen authentischen Namen. Andere waren stets überzeugt, daß er ein Ulkname war. Einen Tag nach der ersten Zeitungsnachricht über die Funken wird am 15.2.1824 ebenfalls in der Kölnischen Zeitung zur Versammlung der Funken in der Zeughausstraße 10 aufgerufen. Im Stadtmuseum existiert noch ein Adreßbuch aus den Jahren 1822/23. Darin fand Euler-Schmidt den Bewohner des Hauses an der Zeughausstraße: Dort wohnte 1823 ein Gerichtsvollzieher namens Georg Peffenhausen. Vermutlich ist Peffenhausen also der erste Funkenpräsident, der General "vun Künningsfeld", sagt Euler-Schmidt. 1824 erschien ein Buch Lieder für den "Karneval zu Köln", in dem das Lied Nro. III "An die kölschen Funken (bekannte Funkenmelodie)" enthalten ist. Im selben Jahr marschieren exakt elf Rote Funken im Zog mit. In der Zeit schrieb Goethe den Kölner Karnevalisten ein sechsstrophiges Karnevalsgedicht. 1844 veröffentlichte die "Leipziger Illustrierte Zeitung" eine Überschrift "Kölnischer Carneval", deren Buchstaben aus Roten Funken bestanden. 1852 wurde der Deutzer Schlossermeister Anton Reintgen Funkenkommandant; sein adeliger Spitzname "Tünn vun Düx". In seiner Zeit, ab Ende der 1860er Jahre, nannten sich die Funken "Kölner Funken-Infanterie" (K.F.I.). 1869 wurde Reintgen auch Präsident.

Das blieb er bis 1881. 1870 bildete sich innerhalb der Roten Funken eine Gruppe, die sich den Namen "Kölner Funken-Artillerie" gab und deren Uniformen blau-weiß waren - die Gründung der Blauen Funken.