vun 1794 bis 1823

vun 1794 bis 1823

Bis zum Einzug der Franzosen war von Mylius Chef der "Roten Funken".

Er übergab am 5. Oktober 1794 seine Truppen der Reichsarmee und seinem Nachfolger Obristwachtmeister Friedrich von Klespe. Von Mylius selbst wurde als Obrist ins kaiserliche Hauptquartier berufen. Er blieb der Kölner Truppe jedoch weiterhin verbunden, denn er blieb Inhaber der 1. Kompanie, die weiterhin seinen Namen trug.

Ausmarsch aus Köln

Im dritten Jahr des 1. Koalitionskrieges 1794 nach dem französischen Sieg am 25. Juni 1795 bei Fleurus über die verbündeten Österreicher, Holländer und Engländer unter dem Kommando des Prinzen Coburg mußten sich die Österreicher über die Maas zurückziehen, die Holländer und Engländer nach Holland. Prinz Coburg reichte dem Kaiser seinen Rücktritt ein.

Der österreichische General Clerfayt übernahm das Kommando über die österreichische Niederrhein-Armee, die eine Gesamtstärke von 60.000 Mann hatte. Die französische Maas-Sambre-Armee unter General Jourdan war 80.000 Mann stark. Am 14. September eröffnete Jourdan eine neue Offensive gegen die Österreicher bei Lüttich; er hatte zusätzlich noch eine Verstärkung von 27.000 Mann aus dem Hennegau erhalten.

Der Angriff galt dem linken Flügel der Österreicher, die der Übermacht weichen mußten und eine neue Stellung hinter der Roer (Die Rur) bezogen. General Clerfayt sandte einen Bericht an den Oberbefehlshaber der Reichsarmee, Reichsfeldmarschall Albrecht von Sachsen-Teschen, worin er seine Lage schilderte und um Unterstützung der Preußischen Armee bat, die an der Mosel zwischen der österreichischen Niederrhein- und Oberrhein-Armee stand. Er schrieb weiter; "dass der Feind fortfahren könnte, seine ganze Macht gegen mich zu wenden, und ich gezwungen werden sollte, über den Rhein zu gehen, ich dieses um so mehr als das letzte Unglück betrachten müßte, da ich kein Mittel weiß, wie sie allda zu verpflegen, und ohne Verpflegung die ohnfehlbarste Auflösung meiner Armee von selbsten erfolgen müßte".

Aber die Preußische Armee (50.000 Mann) unter General Möllendorf blieb untätig. Nachdem die Kaiserliche Armee am 23. September Stellung an der Roer bezogen hatte, wurde in Köln an der Trankgasse und außerhalb der Stadt am Bayenturm mit dem Bau von Brücken über den Rhein begonnen. Der Rat der Stadt wurde wegen der Brücke an der Trankgasse bei General Clerfayt vorstellig. Man befürchtete, dass es beim Rückzug der k.u.k. Armee durch die engen Gassen der Stadt zu Ausschreitungen und Plünderungen kommen könnte. Daraufhin wurden die beiden Brücken abgebaut und unterhalb der Stadt bei Mülheim neu über den Rhein geschlagen. Als Gegenleistung verlangte der General von der Stadt die Bereitstellung von Arbeitern für das Anlegen von Verschanzungen an den Brücken und die Errichtung von Batterien auf der rechten Rheinseite.

Am 2. Oktober eröffnete die französische Armee bei Düren den Angriff auf den linken Flügel der k.u.k. Armee. Diese konnte den Angriff nicht abwehren und mußte sich hinter die Erft zurückziehen. Dort bezog die Arriéregarde (Nachhut) nochmals Stellung, um den Rückzug der Armee auf das rechte Rheinufer zu decken. Am 3. Oktober ritt die Kaiserliche Kavallerie über die Kölner Schiffbrücke. Die Verwundetentransporte und der Armee-Troß gingen über die beiden Brücken bei Mülheim auf die andere Rheinseite. Der Rest der Kaiserlichen Armee erreichte am 4. Oktober Köln.

Der Befehl zum Übergang über den Rhein erteilte der General ebenfalls am 4. Oktober. In einem Schreiben an den Reichsfeldmarschall einen Tag später begründete er seinen Entschluß, das linke Rheinufer zu räumen. Clerfayt berichtete dem Reichsfeldmarschall, unfähig zu sein, der feindlichen Übermacht Widerstand zu bieten; er bedauerte, dass ihm nicht früher als in der letzten Stunde Hilfe geleistet wurde, und erklärte ferner nach reifer Überlegung den Entschluß, sich mit der Armee auf das rechte Rheinufer zurückzuziehen, da bei einer unglücklich ausfallenden Schlacht die Hälfte der Armee geopfert würde.

Dieser Übergang der Kaiserlichen Armee im Angesicht des Feindes geschah in bester Ordnung. Die Truppen machten nicht den Eindruck, als ob sie einem geschlagenen Heere angehörten. Nur die kranken und felduntauglichen Kölner Soldaten verblieben in der Stadt. Der Kölner Rat erteilte ihnen den Auftrag, bis zur Ankunft der französischen Armee in der Stadt die Wache zu versehen, damit Ruhe und Ordnung erhalten bleiben. Der Einmarsch der Franzosen in Köln begann am 5. Oktober um 2 Uhr. Damit begann eine 20-jährige Herrschaft der Franzosen im Rheinland, die erst im Jahre 1814 endete.

Einen Monat zuvor wurden sie noch durch eine Sonderwerbung auf die vertragsmäßige Stärke von 331 Mann gebracht (Aus dem JbKGV 48 (1977), F. Schwarz, Die Kölner Stadt-Soldaten am Ende der reichsstädtischen Zeit, S.151 ff. und dem JbKGV 49 (1978), F. Schwarz: Werbung, Organisation, Sold und Ausrüstung des "Militär Contingents der Kay. F.R. Stadt Cölln", S.259 ff.). Denn zu diesem Zeitpunkt zählten die beiden Kölner Infanterie-Kompanien nur 259 Mann. Der Kölner Rat entschloß sich nach mehrmaliger Mahnung durch das Direktorium des niederrheinischen-westfälschen Kreises am 12. September, das bestehende Stadt-Kölnische Kontingents-Bataillon zu vervollständigen und er ließ zu diesem Zweck folgenden Aufruf in der Stadt durch Trommelschlag bekanntmachen.

Abschrift

Um die Reichs- und Reichsständischen Militair obliegenheiten zu erfüllen, hat ein Hochedel und Hochweiser Rath dieser freien Reichsstadt Kölln Beschlossen das bestehende Contingent Bataillon auf completten Fuß zusetzen. Zu diesem Zweck sind sehr vorteilhafte Bedingungen für die zu hiesigen Dienst Lust zuhabende Dienstfähigkeit junge Mannschaft einberaumt.

Ein Hochedler Rath...?... das Zutrauen auf hiesige Einsaßen, dass selbige sich vorzüglichst hierzu herbeilassen werden, zumaln bei vorkommenden Gelegenheiten auf dieselbe besondere Rücksicht genommen werden solle.

Zu Betref des Handgelds, Capitulation und sonstige erhalten den Vorteilen ist sich so, wie Überhaupt der Erwerbung selber, bei dem Herrn Major v. Klespe zu melden. Als welches öffentlich bekannt zumachen damit befohlen wird.

Obgesetzter hat ein Hochedel - Hochweiser Rath einst mit der verlesenden Bedingungen vergenehmigt, und durch den Trommelschlag zu verkündigen befohlen.

Einberaumte Bedingungen.

1 tens Das Handgeld bis 20. Florin zu extendiren;

2 2 tens Jedem Anbringer eine Donceur zuzuführen, welche jedoch nicht über 2 fl. zu betragen hat 1 und sollte einem Anbringer mehr gegeben werden, so wäre solches vom Handgeld zu bestreiten.

3 tens Capitulation die geringste auf zwey Jahr.

4 tens Wann während der Capitulation auch ein oder anderer seinen Abschied haben wollte, er selbigen gegen Erlag von 25 Reichsthaler nebst Zahlung der Mondour-Schuld erhalten könne.

5 tens Dass denen Handwerkspürchen ihre Lehrjahre während der hiesigen Dienstzeit offen bleiben würden.

6 tens Wann der Fall seyn sollte, dass die Mannschaft auswärts Commandiert würde, sogenießet selbige einen höheren Sold.

7 tens Sollte einem oder dem anderen im Heere Dienst ein Gebrechen zustoßen, so wird dadurch der Invaliden Begnädigung fähig.

Durch diese Werbung konnte das Stadt-Kölnische Kontingent bis Anfang Oktober auf seine Sollstärke gebracht werden. Die beiden Infanterie-Kompanien stellten davon ca. 300 Mann; die städtische Artillerieabteilung bestand nur aus 30 Mann. Aus den beiden Infanterie-Kompanien war schon Anfang Juni desselben Jahres ein Kommando von 47 Mann gebildet worden, das auf kaiserlichen Befehl hin als Begleitmannschaft zusammen mit einem jülichbergischen Bataillon einen Transport von 6.000 Kriegsgefangenen nach Österreich begleiten mußte. Die Kölner Eskorte befand sich im Oktober in Augsburg und bewachte kranke Kriegsgefangene, die dort in Spitälern untergebracht waren.

Als sich Anfang Oktober die Kriegslage zu Ungunsten der Kaiserlichen Armee entwickelte und eine Räumung des linken Rheinufers von Koblenz bis Düsseldorf in Erwägung gezogen wurde, drängte in Köln der österreichische Generalmajor Baillet de la Touer auf die Mobilmachung des Kölner Kontingent Bataillons und verhandelte mit dem Rat der Stadt über eine Konvention und ein Traktament im Falle, dass dieses sich der Kaiserlichen Armee anschließen sollte, wenn diese die Stadt räumen würden. Am 4. Oktober unterschrieben der Generalmajor und der Kölner Magistrat die gemeinsam ausgearbeitete Konvention für die zwei mobilgemachten Kölner Infanterie-Kompanien.

Abschrift

Convention

Welche betref der 2 Contingents Compagnien der freyen Reichsstadt Kölln von dem Herrn Grl. Major Grafen von Baillet und Herrn Oberkriegs Commisare v. Molitor im Nahmen des hohen armee Commando S. Majestät des Kaysers mit dem wohledlen und wohlweisen Stadtmagistrat von Kölln verabredet und beschloßen worden.

1tens Ist man dahin übereingekommen, dass die 2. Compagnien, wiesolche bei der mit selben vorgenommenen Musterung im Stand ausgewiesen werden vollkommen gut montiert, bewafnet und ausgerüstet in Kayß. Eid und Pflicht übernommen, jedoch solang. zur Dienstleistung in Kölln verbleiben werden als das generalcommando deren Abzug zu einer anderweiten Bestimmung nicht anordnet.

2tens hat man sich einverstanden, dass die 2 Compagnien solang die Umstände es gestatten, in der Verpflegung der freyen Reichsstatt Cöllen verbleiben, biß nicht eine weitere Entfernung die Möglichkeiten hierzu verschließt, wo alsdann das Tractament in Geld aus der K.K. Kriegscahsa und die Naturalien aus den K.K. Magazinen gleich wie den K. Truppen gegen Quittung erfolgen werden.

3tens Ist ,bestimmt worden, dass die officiers, prima planiste, und die obligate Mannschaften der Verpflegungs Gebühr, und in denen reparations Pauschquanten denen K. Truppen durchaus gleich gehalten, mithin in der Geld und naturalien ausmaß kein unterschied gemacht werden soll, jedoch wird alles was diese Compagnien von dem K. aerario unter was immer für einer Zubrique von Geld, naturalien Montours, armaturs und Rüstungs Sorten denen feldrequisiten erhalten; als Vorschuß betrachtet, den die Reichsstadt Köllen dem aller höchsten aerario entstanden nach hergesteltem frieden oder auch nach vorher, wenn die Möglichkeit dazu vorhanden ist, in barem Geld und zwar alles natural und material, und den beköstigungs Phreiß zuersezen gehalten seyn soll.

4tens übernimmt der noch edle und wohlweise Rath der Reichsstadt Kölln die verbindlichkeit auf sich, diese Compagnien so mobil zumachen, dass sie auf jede Erforderniß mit denen nötigen feldrequisiten, nehmlich. mit 20 Kessels und Kaßeols, rund 46 feldflaschen pro Compagnie, wovon jedoch die Zelter ausgenommen sind, vorgesehen hiernächst jede Compagnien, mit 1 zwey späningen Wagen nebst der dazu gehörigen Bespannung versehen, ausmaschieren können.

5tens In dieser Aussicht darf ferner angenommen werden, diese Compagnien solange es die Umstände zulaßen, nur zurückwärtigen Diensten zuverwenden; auf' den Fall aber, denn es dennoch erforderlich wäre sie laqern zulassen, dieselbe aus dem K. Mont. Depots mit Zeltern, und auch mit denen erforderlichen Tragthieren oder Zelterwagen zuversehen, der dem Kayß. Aerario von der Reichsstadt Kölln auf die Art, wie es im 3.. Absatz erklährt ist zu ersezen kömmen.

6tens Ist man einig geworden, dass die Reichsstadt Kölln allen Abgang von gemeiner Mannschaft, in solang die Umstände es nicht unmöglich machen, ersezen, wenn aber dazu keine Möglichkeit vorhanden wäre, bleibt es dem K. armeecommando überlaßen, zubestimmen, ob und wie der Ersaz an Mannschaft geschehen solle, wobey die Reichsstadt Kölln die Verbindlichkeit übernimmt seiner zeit dem K. aerario für jeden angeworbenen Rekruten das Werbgeld mit 15 fl. W.W. zuvergüthen.

7tens Da diese Compagnien denen im feld stehenden K. Truppen in allen gleich gehalten werden, so haben sich diejenigen Individuen, welche in und durch den Dienst zualler militär Dienstleistung untauglich werden, nach vorausgegangener ordnungsmaßiger Superarbitriung des normalmäsigen Invaliden Gehalts dem K. aerario in solang zu erfreuen, biß sie der Reichsstadt Kölln wieder zurückgeschickt werden können, wobey sich dann von selbstverpflegt, dass auch dieser Aufwand von der Reichsstadt Kölln dem K. aerano in gemäßheit des 3. Absazes zuersezen seyen.

8tens ist ausgemacht dass, wenn das armeecommando für die eingebracht werdende Deherteurs nur Taglia zu bestimmen für nötig erachtet, selbe dem civile mit 12 fl. und dem militäre mit 18 fl. W.W. ab aerario bezahlt und seiner Zeit von der Reichsstadt Kölln demselben wieder ersezt werden.

9tens alles avarcement bey diesen 2 Comp. wird zwar von der Reichsstadt Kölln insolang die Kayß. armee mit selber die Comunication behält, und von Commandierenden Herrn Grl. der Kayß. armee begünstigt, sobald aber keine Comunication besteht, kann der Commandierende General, die vacante Chargen nach eigenem Befund ersezt, nur müßten die Induvidien, die es betrift von diesen 2 Comp. seyn. ln der

Abschrift

Convention

Welche betref der 2 Contingents Compagnien der freyen Reichsstadt Kö

1tens Ist man dahin ü

2tens hat man sich einverstanden, dass die 2 Compagnien solang die Umstä

3tens Ist ,bestimmt worden, dass die officiers, prima planiste, und die obligate Mannschaften der Verpflegungs Gebü

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5tens In dieser Aussicht darf ferner angenommen werden, diese Compagnien solange es die Umstä

6tens Ist man einig geworden, dass die Reichsstadt Kö

7tens Da diese Compagnien denen im feld stehenden K. Truppen in allen gleich gehalten werden, so haben sich diejenigen Individuen, welche in und durch den Dienst zualler militä

8tens ist ausgemacht dass, wenn das armeecommando fü

9tens alles avarcement bey diesen 2 Comp. wird zwar von der Reichsstadt Kö

10tens die kranke werden, sowie der von der ganzen K.K. armee versorgt und der Mediecamenten oder sonstige Aufwand von der Reichsstadt Kölln dem Kayß. aerario ersezt.

11tens Wenn einmal die Compagnien der Reichsstadt Kölln zurückgegeben werden, haben S. K. Majestät für den Abgang der sich ....?.... ohne dabey ergeben hat, keinen Ersaz an die Rechsstadt Kölln zuleisten, sondern die Compagnien würden als dann in den Stand zurückgegeben, in welchen sie sidi zu derselbigen Zeit befinden werden und so hat man auch

12tens Kayserlicher Seits für Frauen und Kinder nicht zu sorgen, sondern es wird lediglich gestattet, dass bey jeder Compagnie soviele frauen sich aufhalten und mit selben marschieren, als zum Waschen für die Mannschaft nötig sind.

l3tens Diesem wird noch zu Behebung aller über die Gebühr entstehen mögenden Zweifeln beygesezet, dass die in der Musterliste mit bezeichneten. Herrn Obrist Baron Mylius monatlich nur die von der Stadt Kölln seithero bezohen Einhundert Reichsthaler oder Einhundert Zwanzig Gulden Wiener Währung nebst Zwey Brod, und 2 Pferd Portionen, und der als Hauptmann bei seiner Compagnie erscheinende Herrn Major v. Klespe die Gebühr eines Hauptmanns zu beziehen habe.

Sigl.: Cöln den 4. O.bris 1794

Siegel Baillet

General Major

Siegel Molitor Cmi.

loctum 4.ten O.bris 1794

Einen Tag später schon erfolgte der Befehl zum Ausmarsch. Mit der Ausrüstung erhielten die Kölner Soldaten zum ersten Mal zu ihrer Bekleidung einen Mantel, den sog. "Caputrock". Danach erfolgte die Übergabe der beiden Kompanien an das Kaiserliche Heer. Mit diesem verließen sie am 5. Oktober 1794 die Stadt. Von ihren Familien und der gewohnten Umgebung getrennt, gehörten sie jetzt als Stadt-Kölnisches Kontingent der Reichsarmee an, zuletzt, als die Kölner Funken als Kontingent außerhalb der Stadt an einem Feldzug teilnahmen, der war im Jahre 1735. Der Jüngste unter den Kölner Soldaten war mit 16 Jahren der Pfeifer Peter Stammel von der 1. Kompanie. Sie marschierten nach Buchheim zum Kaiserlichen Armee-Depot, um dort die noch fehlenden Feldausrüstungen laut Konvention in Empfang zu nehmen. Auf dem Marsch der Kölner Truppe nach Buchheim waren unterwegs 5 Mann zurückgeblieben.

Bis zum 8. Oktober hielten sich die beiden Kölner Infanterie-Kompanien in Buchheim auf. Während dieser Zeit desertierten 6 Soldaten und 1 Corporal. Das Dorf Eil an der Frankfurter Heerstraße wurde den Kölnern als Quartierort zugewiesen.

Der Chef der II. Kompanie, Obristwachtmeister Friedrich v. Klespe, hatte nach der Versetzung des Oberst v. Mylius das Kommando über das Kölner Kontingent übernommen. In Eil erfolgte am 19. Oktober eine Neugliederung der beiden Kompanien. Die dabei erstellte Standesliste gibt Auskunft über die Stärke und Löhnung der Kölner Einheit. Nach der damaligen militärischen Organisation wurden zwei Infanterie-Kompanien als "Division" bezeichnet. Das Kölner Kontingent erhielt ab dem 19. Oktober seine Verpflegungsgebühr und sein Traktament aus der K.K. Feldoperationskasse und stand damit im Kaiserlichen Sold. Daher führte es die offizielle Bezeichnung "Kaiserlich, Königlich Stadt-Köllnische Kreis Contingent Division".

Standesliste



Monatliche Gage

Tägliche Portion

Anzahl


fl. 10

Kr.11

Pferd
Brot
1
Major

91

39

9

6

1
Capitainlieutenant

40

39 4/8

4
3
1
Oberlieutenant

27

40 6/8

2
2
1
Unterlieutenant

23

20

2
2

1

Cadett

7

-

-

Tägliches Traktament



Monatliche Gage

Tägliche Portion

Anzahl


florin

Kreuzer

Pferd
Brot
2
Feldwäbel

-

16

-

1

2
Führer

-

16

-
1
12
Corporale

-

11

-
1
13
Gefreyte

-

8

-
1

6

Fourierschützen

-

6

-

1
6
Spielleute

-

6
-
1
1
Zimmermann
-
6
-
1
189
Gemeine
-
6
-
1
2
Fuhrknechte

-

6
-
1

Die Räumung des linken Rheinufers ging ohne größere Kampfhandlungen vonstatten; nur bei Mülheim kam es am 6. Oktober nachmittags zu einer Kanonade. In Deutz wurde eine starke kaiserliche Artillerie-Abteilung in Stellung gebracht. Mit dieser drohte der Kaiserliche General den Franzosen in Köln, wenn sie Mülheim oder Deutz beschießen würden, würde die Stadt Köln an allen vier Ecken in Brand geschossen. Danach wurde das Schießen über den Rhein eingestellt und nach einer beiderseitigen Vereinbarung die Kampfhandlungen bis zum Frühjahr eingestellt.

Die Lage zwischen Köln und Deutz wurde in der deutschen Presse folgendermaßen geschildert:

Mülheim vom 10. Oktober:

Von Köln und dem diesseitigen Rheinufer erfährt man garnichts, auch sieht man auf der ganzen anderen Seite keinen Menschen außer den französischen Posten, man hört auch seit dem Einmarsch der Franzosen nichts mehr läuten. Vorgestern wurde durch den Sturm ein Schiff mit Heu von Köln losgerissen und auf unsere Seite getrieben, worauf sich die Kaiserlichen desselben bemächtigten.

Mülheim vom 24. November:

Die Uiberfahrt nach Köln für Emigrirte aus jenseitigen Ländern war zwar von den Franzosen wieder eröffnet worden; sie ließen aber niemand hinüber als Kaufleute; Arme und Geringe wurden wieder zurückgewiesen. Dies soll veranlaßt haben, dass man nun diesseits keine Päss face= Arialfont color=/strong/strong/strongcenter/strong/pe zur Rückkehr mehr ertheilen will - von den Kölnischen Stadttruppen waren, beim Ausmarsch der übrigen, etwa 50 der ältesten zurückgelassen worden; diese sieht man jetzt neben den Franzosen unter dem Thore, aber ohne Flinte, blos mit einem Stocke bewaffnet. - Heute soll General Clairfait das Hauptquartier allhier in dem von heßischen Hause beziehen.

Als Besatzung in Mainz

Der folgende Winter wurde der Kälteste des 18. Jahrhunderts, so dass auch der Rhein zufror. Die Armeen hatten ihre Winterquartiere bezogen, so dass vom Ober- bis Niederrhein die Kampftätigkeit weitgehend ruhte. Nur die Stadt und Festung Mainz, die noch als einzige Stelle auf dem linken Rheinufer in deutscher Hand und von den Franzosen linksrheinisch eingeschlossen war, mußte die Angriffe der Belagerer abwehren. Anfang Februar erhielt die Stadt-Kölnische Division die Order nach Mainz zu marschieren, wo sie am 15. Februar ankamen. Sie wurden zusammen mit fränkischen Kreistruppen mit Kähnen über den Rhein in die Stadt gebracht, weil die Schiffsbrücke wegen zu starken Eisgangs eingefahren war. Sie lösten in der Festung das kurpfalz-bayrische Kontingent ab, das wegen zu großer Ausfälle an Mannschaften der Auflösung nahe war; denn die Besatzung der Festung erlitt mehr Verluste durch Krankheiten als durch Kampfhandlungen. Der strenge Festungsdienst mit zusätzlichen Schanzarbeiten, die ungenügende Kleidung sowie knappe Verpflegung führten zu den Erkrankungen der Soldaten. Im Januar war noch in der Stadt Typhus ausgebrochen. Er riß große Lücken in die Reihen der Verteidiger. In den Lazaretten der Festung lagen im Februar 2.300 Mann. Wegen Überfüllung der Lazarette wurde ein Teil der Kranken auf offenen Wagen auf Stroh liegend nach Heidelberg transportiert, wobei viele unterwegs starben.

In den Lazaretten der Festung herrschten unbeschreibliche Zustände und wer in den Dunstkreis dieser Krankenanhäufung kommt, sieht sich angesteckt, täglich sterben dort 30 Mann." So schreibt der Kur-Kölnische Regimentsauditor Windeck in sein Tagebuch. Das waren die Zustände in Mainz, die das Stadt-Kölnische Infanterie-Kontingent dort antraf. Die Belagerer hatten bis zum August-September eine dreifach gegliederte Kette von Feldbefestigungen um die Festung gebaut, die so angelegt waren, dass sie für uneinnehmbar galten.

Nach dem Übergang der französischen Maas-Sambre Armee Anfang September bei Düsseldorf und deren Vordringen bis zum Main wurde Mainz vollständig eingeschlossen. Am 29. September 1795 wurde die Festung zur Übergabe aufgefordert, die aber abgelehnt wurde. Die Reichsarmee unter ihrem neuen Oberbefehlshaber, Feldmarschall Clerfayt, drängte nach schweren Kämpfen an der Nidda den Gegner zur Lahn zurück, der sich dann bei Köln wieder auf das linke Rheinufer zurückzog.

In Eilmärschen kehrte Clerfayt mit seiner Armee an den Main zurück und zog mit ihr am 28. Oktober in Mainz ein. Am 29. Oktober stürmte die Ersatzarmee mit der Besatzung der Festung in drei Kolonnen die dreifach gegliederte Kette der Befestigungen, die mit 150 Geschützen und 31.000 Mann besetzt waren. Die Belagerer wurden zum Rückzug gezwungen. Dieser wurde zur panikartigen Flucht, bei der die Franzosen das linksrheinische Gebiet bis zum Hunsrück räumten. Unter der Bezeichnung "Die Erstürmung der Linien vor Mainz" ist diese Schlacht in die Geschichte eingegangen.

Der einbrechende Winter zwang zur Einstellung der Kampfhandlungen; der Waffenstillstand vom 21. Dezember machte dem Feldzug von 1795 ein Ende. Die Standestabelle des Kölner Kontingents weist in dem Zeitraum der Belagerung im September einen Abgang von 16 Mann aus, die wahrscheinlich als Verluste angesehen werden müssen.

Der Feldzug des Jahres 1796 begann am 6. Juni mit den Rheinübergängen zweier französischer Armeen bei Düsseldorf und Kehl. Diese drangen bis nach Bayern und in die Oberpfalz vor. Ab dem 24.Juli ist die Festung Mainz zum zweitenmal vollständig eingeschlossen. Erst nach den Siegen bei Amberg und Würzburg über die französischen Armeen durch die Kaiserliche Armee unter Erzherzog Carl, die daraufhin ihren Rückzug aus Deutschland antraten, wurde die Belagerung von Mainz aufgehoben. Der kommende Winter machte auch diesem Feldzug von 1796 ein Ende. Unter gegenseitiger Vereinbarung wurden die Winterquartiere der deutschen und französischen Armeen festgesetzt. Die Entscheidung des Krieges fiel in Italien, wo im Frühjahr 1797 die österreichische Armee geschlagen wurde und die Franzosen in Österreich eindrangen.

Der Waffenstillstand von Loeben am 18.April1797 brachte auch die Einstellung der Feindseligkeiten am Rhein. Dem Waffenstillstand folgte am 17. Oktober der Frieden von CampoFormio, der dem 1. Koalitionskrieg ein Ende machte. Nach dem Friedensschluß wurde zur Feststellung des Friedens zwischen der französischen Republik und den deutschen Reichsständen ein Kongress nach Rastatt einberufen. Dort wurde auch über die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich verhandelt. Solange die Frage der Abtrennung nicht entschieden war, blieben die Truppen-Kontingente der Reichsstände bestehen, was auch für die Kölner Truppe zutraf. Sie blieb bis zum 6. Dezember in Mainz und marschierte dann zusammen mit oberrheinischen und fränkischen Kreistruppen aus der Stadt, aber nicht in Richtung Köln, sondern nach Süden in die 70 km entfernte rechtsrheinische Reichsfestung Philippsburg, wo sie am 11. Dezember 1797 einrückte. Es sollte noch 3 Jahre dauern, bis unsere Kölner Funken in ihre Heimatstadt Köln zurückkehren konnten.

Als Besatzung von Philippsburg

Die durch den Festungsring eingeengte Stadt Philippsburg bestand zu der Zeit aus rd. 100 Wohngebäuden, einem Schloß und einer Kirche. Ihre Einwohnerzahl betrug 800; ihr Festungsvorfeld bestand aus natürlichen und künstlichen Sümpfen. Das Trinkwasser in der Festung war von schlechter Qualität und zeitweise ungenießbar. Auch das dort herrschende Klima war als ungesund bekannt, so dass der Aufenthalt in der Festung unter den Soldaten gefürchtet war, und das mit Recht, denn Wechselfieber und Typhuserkrankungen waren an der Tagesordnung. Die Besatzung der Festung setzte sich aus verschiedenen Kontingenten und Reichstruppen zusammen und hatte ab 1798 eine Stärke von 2.500 Mann. Gouverneur der Festung war Generalleutnant Rheingraf von Salm-Grumbach, sein Vertreter der kurpfalz-bayrische Oberst von Triva. Platzmajor wurde Anfang des Jahres 1799 auf Vorschlag des Obersten Triva der Stadt-Kölnische Major von Klespe. Als Platzmajor war er für die innere Ordnung und Disziplin sowie für die innere und äußere Sicherheit der Festung verantwortlich, denn dieser Aufgabenbereich war von seinem Vorgänger vernachlässigt worden. Selbst die Stabsstellen waren nicht fähig, für einen geordneten Dienstbetrieb in der Festung zu sorgen, so dass sich die lasche Dienstauffassung auf die Mannschaften übertrug. Als Beispiel sei der Führungsstil des Gouverneurs erwähnt, der alle dienstlichen Vorkommnisse im Kaffeehaus erledigte ohne dabei seine Tarock oder Piquetspiele zu unterbrechen. Dem Major von Klespe gelang es, den Dienstbetrieb in der Festung in den Griff zu bekommen. Oberst von Triva beurteilt den Kölner Offizier in seiner Tätigkeit in seinem Tagebuch, u. a. "Major Klespe brachte allmählich durch Einteilung der Rouden, Wachtparaden und anderem größere Ordnung in den Dienstbetrieb und konnte durch sein richtiges Verhalten Mißstände beseitigen."

Noch während der Kongreß in Rastatt verhandelte, zogen sich am Anfang des Jahres 1799 dunkle Kriegswolken über Europa zusammen, denn von Seiten Frankreichs war es zu Übergriffen in der Schweiz und in Italien gekommen. Diese Vorgänge führten dann zur Bildung der 2. Koalition gegen Frankreich. An erster Stelle der Koalition stand England, dann Österreich, das Deutsche Reich und Rußland. Auf Wunsch Englands sollte die russische Armee nach Oberitalien und in die Schweiz marschieren. Als diese die österreichische Grenze überschritt, wurde von den französischen Delegierten auf dem Kongreß den Österreichern eine Protestnote überreicht mit dem Inhalt, den Marsch der Russen zu stoppen. Nach Ablehnung der Note überschritt am 2. März 1799 ohne vorhergehende Kriegserklärung die französische Armee bei Mannheim und Kehl den Rhein. Von Mannheim her erschien eine Armee vor Philippsburg und forderte die Festung zur Übergabe auf. Der Gouverneur lehnte eine Übergabe entschieden ab. Daraufhin begannen die Franzosen die Vorbereitungen zur regelmäßigen Belagerung von Philippsburg. Am 12. März erfolgte die Kriegserklärung des französischen Direktoriums. Es war der Anfang des 2. Koalitionskrieges, der in seinem zweijährigen Verlauf ganz Europa überzog.

Am 30. März eröffneten die Belagerer die Feindseligkeiten gegen Philippsburg (Aus dem JbKGB 48 (1977), F. Schwarz, Die Kölner Stadt-Soldaten am Ende der reichsstädtischen Zeit, S.151 ff. und dem JbKGV 50(1979), F. Schwarz, Verleihung des Kurpfalz. Bayerischen Militär-Ehrenzeichens an den Reichsstadt-Kölnischen Oberstleutnant Friedrich v. Klespe im Jahre 1799, S.187 ff.)

Sie zogen den Einschließungsring enger, trieben die Festungsvorposten hinter die Wälle zurück. Dann begannen sie mit dem Bau von Laufgräben und Batterien. Die in der Festung Eingeschlossenen stellten täglich eine Postenbesetzung von 255 Mann auf und hielten eine 506 Mann starke Reservewachmannschaft bereit. Eine strenge Kälte machte ein ständiges Ablösen der Posten notwendig; Wein und Brandwein erhielten die Reservewachmannschaften als Mittel gegen die Witterung. Sie erwarteten stündlich den Beginn der Beschießung. Doch plötzlich, am 6. April, zogen die Belagerer ab und gingen nach Errichtung eines Brückenkopfes bei Dettenheim auf das linke Rheinufer zurück. Die Niederlage der französischen Armee durch den Erzherzog Carl bei Stockach im südlichen Schwarzwald am 26. März und das Herannahen eines kaiserlichen Entsatzheeres hatte den Abzug des Blockadekorps veranlaßt. Da sich der Hauptkriegsschauplatz in die Schweiz und nach Italien verlagerte, zog auch das kaiserliche Entsatzkorps von Philippsburg wieder in Richtung Schweiz ab. So erschienen am 12. April wieder einzelne französische Abteilungen, besetzten Hockenheim, St. Leon und Roth und erkundeten gegen die Festung, wagten jedoch keine Einschließung. Teile der Festungsbesatzung waren schon zum Schutze der benachbarten Orte dorthin verlegt worden; ihnen war strengstens untersagt worden, sich auf Zusammenstöße mit französischen Abteilungen einzulassen. Trotzdem unternahm am 21. April ein Offizier des fränkischen Jägerkorps mit einer Anzahl seiner Leute, Salzburger Soldaten und Bamberger Dragoner einen Überfall auf ein Wirtshaus in Hokkenheim, in dem sich franz. Soldaten befanden, töteten und verwundeten einige, nahmen den Rest gefangen. Anstatt diese sofort abzuliefern, plünderten sie diese aus und zechten dann in dem Wirtshaus weiter. Sie wurden dann ihrerseits von franz. Reitern überfallen und ein Teil von ihnen wurde nun selbst gefangen. Gegen Ende April verschwanden die Franzosen völlig aus der Nähe der Festung, die am 24. April eine Verstärkung ihrer Besatzung durch das Eintreffen des fürstlich Würzburger Leibbataillons unter dem Major v. Stetten und einer Eskadron K. K. Szekler Husaren erhalten hatte. Die nun folgenden Monate Mai bis August brachten der Besatzung eine ruhige Zeit und gestatteten, dass der Großteil der Soldaten wieder Unterkünfte in den umliegenden Ortschaften bezog. Am 1. Juni erhielt der Kommandeur der Stadt-Kölnischen Truppen, Major Friedrich v. Klespe, seine Beförderung zum Oberstleutnant. Er war zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre alt. Im Juli verstarb ein Kölner Soldat. Ende August ließ das französische Direktorium bei Mannheim eine 20.000 Mann starke Armee in drei Kolonnen über den Rhein setzen. Die dritte -4.000 Mann starke- Kolonne unter General Leval war zur Belagerung von Philippsburg bestimmt.

Am 26. August begann die zweite Einschließung der Festung, die als das Bombardement von Philippsburg in die Geschichte einging. Als die ersten Meldungen über die Operation gegen die Festung eintrafen, wurden die außerhalb liegenden Truppen enger zusammengezogen und deren Troß aus Soldatenfrauen, Kindern und Marketendern hinter die Festungsmauern gebracht. Am 6. September wurde die Festung mit zweistündiger Bedenkzeit zur Übergabe aufgefordert, die von ihrem Gouverneur kurz und bestimmt abgelehnt wurde. Daraufhin begann gegen 10.30 Uhr abends mit 10 Mörsern, 4 Haubitzen und 4 Kanonen schwersten Kalibers die Beschießung der Stadt und Festung. Die Festungskanonen erwiderten das Feuer und versuchten vergeblich, die gegnerischen Geschütze zum Schweigen zu bringen. Ohne Pause wurde die Beschießung fortgesetzt; am 9. September war die Stadt vollständig zerstört. Da die Festung keine bombensicheren Kasematten und Unterkünfte hatte, mußte die Besatzung während des Bombardements auf den Festungswällen und Außenwerken kampieren, soweit sie nicht mit dem Löschen der Baracken und Pulver-Magazine beschäftigt war. Am 12. September wurde die Belagerung plötzlich aufgehoben und die Belagerer zogen in Richtung Mannheim ab, denn Erzherzog Carl näherte sich mit einem Entsatzheer der Festung. Die Verluste der Besatzung betrugen 13 Tote und 49 Verwundete. Von den Bewohnern Philippsburgs kamen während der Beschießung drei ums Leben.

Nro. 4 E i n g a b e der Tothen, Blessirten und Gefangenen,

vom 25ten Aug. an, bis zum 12ten Septbr. 1799 in der Festung Philippsburg

Bataillons und Branchen

Todte

Blessirte

Gefangene

Summa

Fränk. Kreis Grenadiers

Fränk. Kreis Jäger

Churpfalzbayerisch Kontingent 2. Bataill.

K. K. Würzburg

Oberrhein.Rregiment Solms-Braunfels

Oberrhein.Rregiment Zweibrücken

Salzburgisch Kontingent

Stadt Köln

Gesammte Artillerie

Bamberger Drag. u. Saeckler Husar.

De-tachem.Sapeur-Corps

-

-

-

-

2

-

-

2

3

-

2

-

-

-

-

-

1

-

-

-

-

-

1

-

-

5

3

-

-

-

-

-

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-

1

-

-

3

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-

16

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-

3

-

-

5

-

-

1

-

1

3

-

-

2

-

1

7

-

-

-

2

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-

-

-

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-

-

4

-

-

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-

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-

1

3

-

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-

-

-

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-

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-

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-

-

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3

3

-

-

-

-

1

-

-

8

-

-

10

3

-

18

-

1

3

-

1

14

-

-

3

-

1

3

-

-

12

3

-

3

5

-

-

-

Summa

-

13

1

2

47

2

3

3

3

3

3

3

Docirung

Der Erzherzog sandte am 13. September einen Tagesbefehl an den Kommandanten, in dem er der ganzen Besatzung für die ausdauernde und mutvolle Verteidigung dankte und sich einen ausführlichen Bericht über die Belagerung erbat.

Mit einer neunseitigen Relation (Gemeint ist wohl ein Bericht, von relater=berichten) über die "Einschließung und das Bombardement der Kaiserlichen und Reichs-Festung Philippsburg" antwortete Generalleutnant von Salm-Grumbach am 14. September dem Erzherzog. Am Schluß dieser Relation wurden namentlich folgende Einheiten der Besatzung besonders erwähnt; "außer den im Laufe der Erzählung angerühmten, sind auch die übrigen Offiziere und Gemeinen dieser Branchen alles Lobs und der besten Empfehlung würdig geworden":

"Das Churfalzbaierische Reichs-Kontingent, das Kaiserl. Königl. Fürst Würzburgische Infanterie-Bataillon und alle die übrigen Truppen ohne Ausnahme, dann die sämmtlichen Herren Staabs- und Ober-Offiziere, namentlich der Churpfalzbaierische Kontingents-Kommandant, Herr Obrist von Triva, der Platz-Major Herr Obrist Leutenant von Klespe des Reichs-Stadt Köllnischen Kontingents; u.a."r die ausdauernde und mutvolle Verteidigung dankte und sich einen ausf

Mit einer neunseitigen Relation (Gemeint ist wohl ein Bericht, von relater=berichten) ü

"

Der Bericht endet mit dem Satz:

"Ueberhaupt hat sich die Garnison den gerechtesten Anspruch auf verdiente Belohnung und auf jedes rechtschaffenen Deutschen Dankbarkeit erworben".

Als Sonderzulage erhielten alle Besatzungsangehörigen der Garnison von den Ständen des oberrheinischen Kreises eine Monatsgage als Gratifikation sowie eine Vergütung ihrer bei dem Brand der Stadt verlorengegangenen persönlichen Effekten (Wörtl.: Wertpapiere; gemeint sind wohl Wertgegenstände).

Unter den vielen Anerkennungsschreiben von führenden Persönlichkeiten Deutschlands, die der Gouverneur erhielt, war auch eines des Kurpfalz-Bayerischen Kurfürsten Max-Joseph vom 29. September. Darin schrieb er:

"Das rühmliche Zeugniß, das Sie, mein lieber Rheingraf, dem unter Ihrem Commando stehenden Teil meines Contingents und vorzüglich einigen Offizieren beilegen, verursachte mir das lebhafteste Vergnügen und ich werde gewiß auf Empfehlung denen mir benannten Individuen eine verdiente Auszeichnung angedeihen lassen".

Der Kurpfalz-Bayerische Kurfürst verlieh dann am 2. Oktober 1799 dem Kölner Platzmajor, Friedrich v. Klespe, als erstem und einzigem Offizier der Festung das Kurpfalz-Bayerische Militär-Ehrenzeichen. Das goldene, weiß emaillierte, achtspitzige Kreuz in der Form des Malteserkreuzes ist von einem farbig emaillierten Kurhut überragt. Die Vorderseite zeigt im dunkelblau emaillierten, goldgeränderten Mittelschildchen den verschlungenen Namenszug des Stifters, die Rückseite im Mittelschild die goldene Inschrift "VIRTUTI". Die Maße sind 42 zu 30 Millimeter. Das 35 Millimeter breite, nicht gewässerte schwarze Band hat je 3 Millimeter breite weiß himmelblaue Seitenstreifen, deren Kantenabstand 1 Millimeter mißt.

Durch kurfürstliches Reskript am 3. Oktober 1794 wurde dieses Ehrenzeichen formlos geschaffen mit dem Vermerk "dass zwar der Kurfürst (Karl-Theodor 1777-1799) nicht gedenke, einen förmlichen Orden zu errichten, wohl aber Anordnungen habe treffen lassen, dass für besonders ausgezeichnete Offiziere besondere Ehrenzeichen verfertigt und nebst der des fallsigen höchsten Entschließung demnächst folgen würden". Am 19. Februar 1795 wurde das Ehrenzeichen zum ersten Male an 19 Offiziere des bayrischen Kontingents bei der Reichsarmee verliehen.

Die Statuten, (Diese Statuten hatten 16 Artikel, von diesen seien folgende herausgegriffen, die auf die Besonderheit der Aus-zeichnung hinweisen: "Statuten und Erfordernisse, nach welchen die im Felde stehenden Oberoffiziere von der Churpfalz bayerischen Armee des Ehrenzeichens teilhaftig werden können.". Art. 1 Dieses von Sr. Churf. Durchl. gnädigst bestimmte Ehrenzeichen, welches in einem emaillierten Kreuze besteht und an der linken Brust getra-gen wird, ist nicht als ein Orden zu betrachten, sondern es ist eine Belohnung einer im Kriege erfolgten tapferen Handlung, und eine öffentliche Zierde und Auszeichnung derjenigen, welche sich durch eine solche That hervor-gethan haben. Art. XII. Dieses Ehrenzeichen darf auch der Offizier in seinem Wappen führen, jedoch muß selbes mit einer Masche nur unten am Schild hängen, und es ist also nicht erlaubt, dass der Wappenschild auf dem Kreuze liegt, oder sich das Band um den Schild, oder die Helmdecke schlinge. Art. XIII. Nach Absterben des Offiziers muss das Ehrenzeichen von den Erben nach dem Begräbnisse, weil solches auf den Sarg des Verstorbenen gelegt wer-den darf, zum Churf. Hofkriegsrathe zurückgesendet werden.) nach welchen dieses Ehrenzeichen erworben werden konnte, gelangten aber erst nach langen Erwägungen im Hofkriegsrat im Jahre 1797 zur Vollendung und erhielten am 8. Juli desselben Jahres die Unterschrift des Kurfürsten Carl Theodor. Der Kölner Offizier Friedrich v. Klespe erhielt als erster nicht-bayerischer Offizier das 38. Ehrenzeichen. V. Klespe und der Bamberger Rittmeister waren die einzigen Nichtbayern, denen diese Auszeichnung zuteil wurde.

Sofort nach dem Abzug der Belagerer wurden die erschöpften Soldaten der Festung zur Erholung in den umliegenden Ortschaften untergebracht. Es waren zu dem Zeitpunkt 2.012 Fußtruppen und 21 Reiter. Die Kölner Truppe hatte noch 156 Mann, wovon nur 127 dienstfähig waren. Eine nochmalige Verstärkung erhielt die Festung Ende September durch das fürstlich Würzburger Obest-Bataillon mit 1.465 Mann, das in seinem Troß noch 28 Soldatenfrauen und 21 Kinder mitbrachte, und das K. K. Grenz-Bataillon Brooder sowie 60 K. K. Ulanen, so dass die Festung eine Gesamtbesatzung von ca. 3.500 Mann hatte. Da die Lage für die verbündeten Österreicher und Russen in der Schweiz eine ungünstige Wendung annahm, zog das kaiserliche Heer unter Zurücklassung schwacher Kräfte von Philippsburg wieder in Richtung Schweiz. Statt dessen übernahm die in drei Abteilungen aufgeteilte Festungsbesatzung die Sicherung des Raumes Mannheim bis Philippsburg. Die 3. Abteilung, die sich aus Würzburger, Kölner und fränkischen Jägern zusammensetzte, bezog Stellung in dem nordöstlichen Abschnitt zwischen Lusheim und Kirrlach.

Mitte Oktober überschritt ein neues französisches Heer von 15.000 Mann unter dem General Lecourbe den Rhein bei Mannheim und drängte die schwachen kaiserlichen Kräfte zurück. Am 18. Oktober wurde die 3. Abteilung bei Lusheim angegriffen; diese mußte sich in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober durch den Lusheimer Wald auf die Orte Oberhausen und Waghäusel zurückziehen. Bei diesem Gefecht wurde ein Kölner Soldat verwundet. Am anderen Tag wurden sie wieder angegriffen, ebenfalls die an ihrem rechten Flügel stehende 2. Abteilung. Ihre vorgeschobene Postierung aus fränkischen Jägern, Würzburger und Kölner Infanterie wurde zurückgeworfen. Die Würzburger Besatzung von Oberhausen geriet in Gefangenschaft. Gegen Mittag wandte sich der Gegner auch von Wiesenthal aus gegen den Ostsaum des Huttenheimer Waldes, den die 2. Abteilung verteidigte. Am Abend durchbrachen die Angreifer die Linien der 3. Abteilung. Als sich noch gegnerische Kavallerie von Neudorf aus näherte und die Gefahr bestand, von der Festung abgeschnitten zu werden, zogen sich beide Abteilungen unter heftigen Nahkämpfen in die Festung zurück. Damit begann die dritte Einschließung von Philippsburg. Da alle Unterkünfte und Kasernen in der Stadt in Trümmern lagen, mußte die Besatzung in Zelten und in notdürftig errichteten Baracken kampieren. Trotz der kalten und feuchten Witterung blieb der Gesundheitszustand der Soldaten gut, was auf die reichliche Verpflegung und auf Sonderzuteilung von Wein und Branntwein zurückzuführen war. Nur der Tabakvorrat ging zu Ende, so dass dieser den Soldaten fehlte. Die dritte Einschließung war nur von kurzer Dauer. Am 8. November drängte ein kaiserliches Entsatzkorps die Belagerer auf Schwetzingen und Heidelberg zurück. Ein Teil der Garnison von Philippsburg, und zwar 2.800 Mann mußten den linken Flügel des kaiserlichen Korps übernehmen. Darunter war auch die Stadt-Kölnische Infanterie, die zusammen mit dem Kreisregiment Zweibrücken und den fränkischen Jägern den Ort Waghäusel besetzte. Ein weiteres Vorrücken des kaiserlichen Korps wurde eingestellt, da der Herzog von Württemberg die Verwendung seiner Truppen, die mit zum Entsatzkorps gehörten, außerhalb der Grenzen Württembergs versagte. Während der Gegner Verstärkungen erhalten hatte, konnte er am 16. November zum Gegenangriff antreten. Er warf sich mit seiner ganzen Streitmacht auf die Truppenteile der Besatzung von Philippsburg.

Sie konnten Anfangs ihre Stellungen behaupten, wurden aber, als der Gegner bei Reilingen die dortige Stellung durchbrochen hatte und bis Waghäusel vordrang, von diesem von der Festung abgeschnitten. Die Abteilungen in Waghäusel wurden abgefangen, ein Großteil von ihnen mußte die Waffen strecken, nur die Hälfte von ihnen konnte sich hinter die schützenden Mauern der Festung retten. Damit war Philippsburg zum 4. Male eingeschlossen. Der Gesamtverlust der Besatzung der Festung betrug 1.350 Mann. Das Stadt-Kölnische Kontingent verlor dabei 41 Mann, davon 4 Tote, 31 von ihnen gerieten in Gefangenschaft, der Rest wurde vermißt. Die Belagerer glaubten jetzt nach den großen Verlusten der Besatzung, sich leicht der Festung bemächtigen zu können; außerdem litten die Eingeschlossenen unter der einsetzen den Winterkälte. Auch wurde jetzt der Proviant in der Festung knapp. Das führte zu vielerlei Erkrankungen unter den Besatzungsangehörigen. Doch glücklicherweise verhielt sich der Gegner ziemlich ruhig, da er noch über keine Belagerungsgeschütze verfügte. Erzherzog Carl schickte am 21. November wieder ein Korps von 6 Bataillonen Infanterie und 6 Eskadronen Kavallerie zum Entsatz der Festung. Am 2. Dezember 1799 trat das Entsatzkorps zum Angriff an. Nach heftigen Gefechten bei Sinsheim und Odemheim räumte der Gegner in der Nacht seine Stellungen, so dass am 3. Dezember die Festung abermals befreit wurde. Nach dem vollständigen Rückzug der Franzosen am 7. Dezember auf die linke Rheinseite, endeten die Kampfhandlungen am Oberrhein. Die Truppen beider Seiten bezogen dann ihre Winterquartiere. Jetzt traten bei den kaiserlichen Truppen und bei der Besatzung Versorgungsschwierigkeiten auf.

Das ganze Land war durch das Kriegsgeschehen ausgeplündert und erschöpft. Die Reichsoperationskasse war leer, so dass teilweise den Soldaten kein Sold ausbezahlt werden konnte; so nahmen die Desertationen zu. Von dem Kölner Kontingent desertierten im Dezember 16 Mann. Unter diesen Umständen riet der Oberbefehlshaber der Reichsarmee und der österreichischen Armee in Deutschland Erzherzog Carl zum Frieden. Da es auch zu diesem Zeitpunkt in Frankreich zu einem Machtwechsel gekommen war, denn der General Bonaparte hatte das regierende Direktorium gestürzt und sich als 1. Konsul an die Spitze des Staates gestellt, war der Zeitpunkt für einen allgemeinen Frieden in Europa günstig. Bonaparte selbst machte Friedensvorschläge an England und den deutschen Kaiser. Doch England lehnte das Friedensangebot ab und bewog die österreichische Regierung, den Krieg fortzusetzen, indem es durch Subsidien-Gelder die Aufrüstung und Versorgung der Reichsarmee und der österreichischen Armee übernahm. Unter diesen Umständen legte Erzherzog Carl im März 1800 angeblich aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Nach dem Scheitern der Friedensbemühungen wurde auf beiden Seiten die Aufrüstung fortgesetzt.

Philippsburg erhielt durch das Würzburgische Reichskontingents-Bataillon Cantler Ersatz für die erlittenen Verluste. Damit stellten die Würzburger Truppen das stärkste Mannschafts-Kontingent in der Festung. England hatte dieses Würzburger Kontingent in seinen Sold übernommen. Auch bezahlte es die Verluste an Ausrüstung, Fahrzeugen und Geschützen der Würzburger. Die Besoldung der Kölner Truppen erfolgte wieder aus der mit englischen Subsidien Geldern aufgefüllten K. K. Operationskasse. Die Löhnung der Reichstruppen betrug täglich 11 Kreuzer. Der Kommandant der Festung ließ jetzt die Festungsanlagen mit aller Energie ausbessern, um für den Feldzug des Jahres 1800 gerüstet zu sein.

Dieser Feldzug wurde mit dem Übergang der französischen Deutschland-Armee bei Straßburg und Basel über den Rhein am 25. April 1800 begonnen. Sie drängte die K. K. Armee nach mehreren siegreichen Gefechten und Schlachten bis nach Ulm und München zurück. Philippsburg wurde nicht mehr angegriffen. In Italien, wo Napoleon Bonaparte selbst den Oberbefehl führte, besiegte er die Österreicher am 14. Juni bei Marengo. Damit bestand Gefahr, dass sich die beiden französischen Armeen in Tirol vereinigen würden. Um dem vorzubeugen, bat der deutsche Kaiser um einen Waffenstillstand, der am 15. Juli in Parsdorf abgeschlossen wurde. Dieser Vertrag sah eine Waffenruhe bis zum 20. September vor und eine beiderseitige Demarkationslinie wurde festgelegt, hinter die sich beide Armeen zurückzogen. Von den 3 Festungen, welche sich innerhalb des von der französischen Armee überlassenen Raumes befanden, waren Ulm und Ingolstadt eingeschlossen. Die Festung Philippsburg mußte dann laut Vertrag ebenfalls eingeschlossen werden. Diese Belagerung war diesmal eine friedliche. Die Soldaten beider Seiten verkehrten freundschaftlich miteinander.

Nur ließen die Belagerer keinen Proviant in die Festung. In diesen Tagen herrschte am Oberrhein eine unerträgliche Hitze. Der Aufenthalt der Besatzung war teilweise unter freiem Himmel und das schlechte Trinkwasser führten zum Ausbruch einer Nervenfieberseuche in Philippsburg, an der die Soldaten massenhaft erkrankten und viele daran starben. Auch der Kommandant erlag am 8. September der Krankheit. Er wurde auf dem höchsten Punkt der Festung, auf der Trinitas-Bastion, beigesetzt. Bei diesem Begräbnis donnerten nochmals alle Geschütze der Festung dem toten Kommandanten Salut. Auch die französischen Geschütze ehrten mit einer Ehrensalve den toten Gegner. Als die Frist des Waffenstillstandes abgelaufen war, bat der deutsche Kaiser Franz Napoleon um eine nochmalige Verlängerung des Waffenstillstandes, weil ein Vertrag mit England abgeschlossen wurde, in der England 2 Mill. Pfund Sterling zur Komplettierung der kaiserlichen Armee zahlte, wogegen sich Österreich verpflichtete, vor dem letzten Februar 1801 keinen Sonderfrieden mit Frankreich zu schließen. Der Waffenstillstand erhielt eine 45-tägige Verlängerung unter der Bedingung, dass die drei Festungen Ulm, Ingolstadt und Philippsburg von den Kaiserlichen geräumt und den Franzosen übergeben würden. Das Abkommen wurde am 20. September in Hohenlinden abgeschlossen. Am 6. Oktober 1800 verließ die Besatzung von Philippsburg mit ihrer gesamten Ausrüstung und den Festungsgeschützen in 3 Kolonnen Philippsburg. Die Franzosen begannen sofort mit der Sprengung der Festungsanlagen. Damit hatte die Reichsfestung Philippsburg aufgehört zu existieren.

Die Verabschiedung

Die ausziehenden Kolonnen der Festungsbesatzung hatten den Auftrag, sich dem K. K. Corps des Feldmarschall-Leutnants Simbschen anzuschließen, das in Franken im Raume Schweinfurt-Würzburg-Bamberg stand. Die kranken Soldaten wurden auf Schiffen über Mainz nach Würzburg transportiert. Ende Oktober trafen sie in den ihnen zugewiesenen Kantonierungen ein. Die Kölner Truppe bezog Quartier in der Nähe von Bamberg. Sie war auf ganze 38 Mann zusammengeschmolzen und wurde der Brigade des Generalmajors Salm zugeteilt. Nach erneutem Ausbruch der Feindseligkeiten am 22. November operierte das Corps Simbschen mit wechselndem Erfolg entlang der Rednitz. Die Brigade Salm kam nicht mehr zum Einsatz. Am 4. Dezember 1800 kam es zu der entscheidenden Schlacht bei Hohenlinden, bei der die kaiserlichen Truppen vernichtend geschlagen wurden. Die Reste der Armee zogen sich über den Inn zurück.

Erzherzog Carl übernahm am 11. Dezember wieder den Oberbefehl über die Reste der kaiserlichen Armee. Ihm blieb nichts anderes übrig, als um Waffenstillstand zu bitten, der am 24. Dezember 1800 in Steyr zustande kam. Anschließend trafen sich die Unterhändler beider Seiten in Luneville, um den Frieden zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich auszuhandeln. Nach dem Waffenstillstand wurden die geringen Überreste des Kölner Kontingents Anfang Januar 1801 in Hambach einquartiert.

Am 9. Februar erfolgte der Friedensschluß von Luneville, der dem 2. Koalitionskrieg ein Ende machte. Nach diesem Vertrag kam das ganze linke Rheinufer endgültig an Frankreich. Die Reichsarmee wurde aufgelöst; davon war auch die stadtkölnische Truppe betroffen. Ihre Verabschiedung erfolgte am 29. März 1801; dabei sprach Erzherzog Carl den Kölnern seinen besonderen Dank aus. Sie erhielten noch den Sold bis Ende April. Damit hatte auch die letzte reichsstadt-kölnische Einrichtung aufgehört zu bestehen.

Die sechs Kölner Offiziere wurden auf ihr Gesuch hin am 1. Mai 1801 in K. K. Dienste übernommen; Oberstleutnant v. Klespe wurde beim Friauler Infanterie Regiment Reisky Nr.13 als 2. Major in den Stand gebracht. Hauptmann Grell kam als Kapitänleutnant zum Kärntener Infanterie Regiment Wilh. Schröder, sowie unter Beibehaltung der Charge Kapitänleutnant Simonis zum Steirischen Infanterie Regt. Terzy, Oberleutnant André zu dem Niederösterreichischen Infanterie Regt. Toscana, Oberleutnant Geyl zum Niederösterreichischen Infanterie Regt. Kerpen und Unterleutnant Schneichels zu den Hoch- und Deutschmeistern.

Von den Mannschaften kehrten ganze 17 Mann sofort in ihre Heimatstadt Köln zurück. Später kamen noch die aus Gefangenschaft Entlassenen und die in Lazaretten zurückgelassenen Kranken nach ihrer Genesung nach Hause, so dass ePhilippsburg erhielt durch das Würzburgische Reichskontingents-Bataillon Cantler Ersatz für die erlittenen Verluste. Damit stellten die Würzburger Truppen das stärkste Mannschafts-Kontingent in der Festung. England hatte dieses Würzburger Kontingent in seinen Sold übernommen. Auch bezahlte es die Verluste an Ausrüstung, Fahrzeugen und Geschützen der Würzburger. Die Besoldung der Kölner Truppen erfolgte wieder aus der mit englischen Subsidien Geldern aufgefüllten K. K. Operationskasse. Die Löhnung der Reichstruppen betrug täglich 11 Kreuzer. Der Kommandant der Festung ließ jetzt die Festungsanlagen mit aller Energie ausbessern, um für den Feldzug des Jahres 1800 gerüstet zu sein.s im Ganzen ca. 80 Mann von der Truppe, die im Oktober 1794 ausmarschiert war, zurückkehrten. In Köln wurden die Heimkehrer von den französischen Behörden zum Zwecke ihrer Pensionsansprüche registriert. Während der ganzen französischen Herrschaft in Köln erhielten sie ihre Pensionen, die sehr gering waren. Als nach 20 Jahren endlich Frieden in Europa einkehrte und die französische Herrschaft in Köln zu Ende war, und die Stadt, ohne wieder den Status einer freien Reichsstadt zu erlangen, an Preussen kam, zahlten auch die preuß. Behörden die Pensionen der ehemaligen Stadtsoldaten weiter. In einer Pensionsliste vom 26. Januar 1818 für die "Den von den Reichsstadt Cöllnischen Kreis Truppen noch anwesenden und der Unterstützung bedürftigen Militärpersonen" sind 130 Namen aufgeführt mit Dienstgrad, Alter, Wohnung und den Pensionsbezügen. Die Liste trägt die Unterschrift des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Carl Joseph Frhr. von Mylius, einem Cousin des ehemaligen Kommandandeurs der Kölner Stadt-Soldaten, Caspar Joseph Carl von Mylius. Von den 130 Pensionären in der Liste sind 61 ehemalige Angehörige des Reichskontingents, die an beiden Feldzügen teilnahmen. Die übrigen sind die 1794 felduntauglich und krank in Köln zurückgebliebenen, welche aber weiter als Wachtruppe in der Stadt eingesetzt wurden. Als "ältester" ehemaliger Stadtsoldat ist in der Pensionsliste der Invalide Franz Kessel eingetragen. Sein Alter ist dort mit 101 Jahren angegeben und er wohnte in der Wollküche 5915; er erhielt eine monatliche Pension von 2 Talern. Die beiden jüngsten Veteranen waren lt. Liste der Pfeifer der 1. Komp. Peter Stammel mit 40 Jahren, er wohnte in der St. Apernstr. 53 und bezog 4 Taler Pension und der Soldat Joseph Kreuer, der zu diesem Zeitpunkt 41 Jahre alt war; er diente in der 2. Komp. und wohnte Großer Griegsmarkt Nr.55; seine Pension betrug 3 Taler, 19 Stüber und 8 Heller. Denselben Betrag erhielten alle ehemaligen einfachen Soldaten ohne Unterschied des Alters. Ferner sollen hier noch die Namen dreier ehemaliger Stadtsoldaten aus der Pensionsliste genannt werden, da man sie auch in den Versen der "Funke-Chronik" von Hermann Werker als "ahle Funke" wiederfindet.

Auszug aus der Pensionsliste von 1818-

Rp.St.h
Nr.
Namen
Dienstgrad
Strasse
monatliche Löhnung





wo er wohnt




(60 fl.)


339-
67
Lüninghausen, Ludwig Hauptmann
Georg Kloster
24
-
-
69
Lützenkirchen, Arnold Gefreiter
Beiersgaße
111
Schaefer, Stephan Tambour
Seberinstr.
3
39

Hauptmann Lüninghausen und der Quartier- und Zahlmeister Rabanus Vassen waren die einzigen Offiziere, die im Jahre 1794 zusammen mit den felduntauglichen und kranken Mannschaften in der Stadt zurückblieben.

Gefreiter Arnold Lützenkirchen, (II. Komp. 1. Corporalschaft) in der Chronik galt er als Unteroffizier, und der Tambour der 1. Komp. Stephan Schaefer waren Veteranen der Feldzüge 1794-1801. Der als "letzte Stadtzaldat" in der Chronik genannte Pfeifer Michel Serck ist nicht in der Pensionsliste von 1818 aufgeführt, auch in den Musterungslisten von 1793 und 94 ist sein Name nicht zu finden.

Hiermit endet dann die Geschichte der alten Stadtsoldaten als "änzte Funke"; doch soll die Funke-Chronik mit ihren 4 Strophen zu Ehren aller "änzte Funke" der Schlußpunkt ihrer Geschichte sein.

Funke-Chronik
1931
Text: Hermann Werker
Melodie: Der Hauptmann mit dem Schnurrbart

En vill Leedcher die mer singe, do weed mänche Funk benannt, Ävver veer die weil ich nenne, die sin nit sogot bekannt. Han geschnäuv dröm in der Chronik, ömgebläddert Blatt vör Blatt, Wollt ens wesse, welche Funk zoletz de Pooz bewaach hee hat. Als dä Franzmann korn he hin trook dä Funk vum kölsche Rhing. Un en Mainz zor schlemme Zick, dät dat Wöbchen hä op sick. Sibzehnhunderteinunnünzig heesch dat Johr, wo dat passet, Wo zoröck em Bürgersch-Röckche sin de Funke dann marscheet. An der Pooz un op de Wälle süht mer keine Funk mieh stonn, Dat wör ärg bedöörlich, weil se moote arbeide jitz gonn. Stephan Scheefer, dä an Johre achundsibbenzig wor alt, Schlog de Funktetrumm un wor em ale Kölle got bekannt. An däm zehnte Februar log hä op der Dudebahr Dä getrummelt hat mänch Johr un Zigaremächer wor. Achzehnhundertachunveedzig braht mer us däm ale Bau Om Kathringegrave achunachzig in zor letzte Rau. Arnold Lützenkirchen dä wor nünunsibbzig alt, Hä wor Unteroffizier, dobei en prächtige Gestalt. Stirve dät am dreiunzwanzigste Oktober hä ganz schwach, Achzehnhundertveerunzwanzig en der Bayardsgass bei Naach. Eine Funkehaupmann hat veerunachzig Johr gepack, Dä al nette ale Greis sich maht op de Himmelsreis. Achzehnhundertdreesig wor et Johr am nüngte Februar Log Ludwig vun Lüninkhausen vun der Fringstross op de Bahr. Achzehnhundertnünunsechzig sturv der letzte Stadtzaldat, Hä wor keine kölsche Jung, un dat wor wirklich jammerschad. Sibbzehnhunderteinunsibbzig kom en Bonn hä op de Welt, Hätt als "Pfeifer" bei de Funke treu do singe Mann gestellt,

Achunnünzig Johre alt, woren och sing Dag gezallt. Em Zint Görresströssge veer, stund dä Dud ald vör de Döör, Un et wor em Mai, mer schrevv der sechsunzwanzigste derzo, Maht der letzte Funke der Michael Serk, sing Auge räuhig zo. Wann noh hunderte vun Johre ens de Chronik weed studeet Fingk ma do vill Name die bei uns in Kölle existeet. Dobei süht mer en däm Booch e Blatt, wo drop geschrevve steiht: Eine Name gross en Goldschreff dä genog besage deit. Mög hä nor noch mänches Johr röstig blieve un och klor, Uns zor Freud un uns zur Ehr, däm rut-wiesse Korps zor Zeer. Jedem ächte Kölsche ess dä Name secher got bekannt, Denn hä weed vun keinem andersch als der "Schneider-Clauss" genannt.

De ahle un de neue Funke em Johr 1823

Aus der ehemals "Freien Reichsstadt Cölln" war 1815 eine preuß. Provinz- und Garnisonsstadt geworden. 1822 hatte die Stadt 50.000 Einwohner, genau so viel wie in der reichsstädtischen Zeit, nur waren in die Gebäude der aufgelösten Klöster und Stifte ca. 6.000 Mann preuß. Militär eingezogen. Das war für die Stadt, die auch vom preußischen Militärstaat als Festung bestimmt war, eine gewaltige Veränderung ihres äußeren Erscheinungsbildes. Wenn man demgegenüber die alte reichsstädtische Garnison mit einer 300-500 Mann starken, meistens aus Kölner Bürgern bestehenden stadtkölnischen Truppe vergleicht. Das Verhältnis der Kölner zu ihrer preußischen Garnison blieb in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kühl und unerquicklich, trotz der allgemeinen Wehrpflicht, die auch Kölner unter die preußischen Fahnen rief, man mochte die preußische Uniform nicht; man spottete in Köln über den Parademarsch und Gamaschendienst mit dem Spottvers:

"Rude Krage - nix em Mage
golde Tresse - nix ze fresse."

Mit Argwohn betrachtete die preußische Regierung die Kölner Bevölkerung, die mehr oder weniger unbekümmert dahin lebte, an ihren alten Traditionen hing und insbesondere die kirchlichen Feste (Kirmes) feierte. Diese Eigenart wurde im amtlichen Sprachgebrauch der Preußen als "die besonderen Kölner Verhältnisse" bezeichnet. Auch im politischen Bereich kam es zu ersten Spannungen zwischen der Kölner zivilen Oberschicht und der preußischen Obrigkeit, woraufhin der Oberbürgermeister v. Mylius abgesetzt und ein Prozeß gegen ihn angestrengt wurde. In ihren Argumentationen stellten die Preußen die alte Kölner reichsstädtische Vergangenheit als schlecht, rückständig und intolerant hin und alles was an reichsstädtsches erinnerte wurde nicht gerne gesehen. Aber den Kölnern blieb ihre Erinnerung heilig.

Als aus dieser romantischen Sehnsucht im Jahre 1823 das vaterstädtische Fest -der Rosenmontag- mit seinem Umzug neu belebt wurde, kam in diesen farbenprächtigen Mummenschanz eine politische Polemik mit dem Traum von der alten Reichsherrlichkeit zum Ausdruck.

"Des Helden Karneval Wiederinbesitznahme seines alten Reiches oder die Thronbesteigung des Helden"; unter diesem Motto stand der erste Rosenmontagszug.

Der Habitus des "Helden Karneval" ist der Seiner Kaiserlichen Majestät, dem sich Köln einst als freie Reichsstadt allein untertänig gezeigt hatte. Dementsprechend zeigte der Maskenzug Gruppen, die auch in der alten reichsstädtischen Zeit im öffentlichen Leben eine Rolle spielten, z.B. die Hilligen Knächte und Mägde und dann in der 5. Gruppe die "Roten Funken".

Sie trugen die Uniform nach dem Schnitt und der Mode der 90er Jahre des 18. Jahrhunderts. Solche Uniformen hatten nur noch die Veteranen des reichsstädtisch-kölnischen Militärs, denn lt. Pensionsliste lebten noch viele von ihnen in der Stadt. Ein Dutzend waren es, die dann wieder ihre alte Uniform anzogen und sich damit nach 22 Jahren wieder in der Öffentlichkeit zeigten. Sie marschierten und parodierten in einer schwerfälligen Art, um den Gegensatz zwischen ihnen und dem preußischen Militarismus mit seinem übertriebenen Drill hervorzuheben. Denn es war geboten worden, das der Maskenzug

"in das Gewand des Scherzes und des Frohsinns gehüllt, Stoff zum Lachen darböte".

Mit ihrer karnevalistischen Parodie auf die ungeliebten Preußen eroberten sie sich die Herzen der Kölner Bevölkerung. Um sich auch fortan aktiv an dem Kölner Karneval zu beteiligen, gründeten sie einen Kölnischen Funken Verein. Doch schien der neue Verein das politische Mißtrauen der preußischen Obrigkeit geweckt zu haben, die darin ein Bestreben sahen, dass hier reichsstädtisches Gedankengut gepflegt werde. Darum setzten die Funken ihre Einladung zur Hauptversammlung am 21. Februar 1824 in die Kölnisänzte Funkeche Zeitung; darin stand:

" ... für den bevorstehenden Fasching zu beobachtenden Förmlichkeit definitiv reguliert und festgestellt werden sollen. Damit jedoch der Zweck dieses Vereins nicht verkannt und auch die Versammlung nicht gestört werde, so ist diesmal hierzu das Privathaus Nr.10 am Zeughaus gewählt worden."

Sie bildeten dann auch die erste Gruppe des Rosenmontagszuges 1824.

Damit war aus den "ahl änzte Funke" die karnevalistische Truppe "de Rut Funke" geworden, deren Ziel es heute u.a. ist, die Erinnerung an die "änzte Funke" wach zu halten.

* * *