vun 1660 bis 1793

vun 1660 bis 1793

Vorgeschichte und Entstehung

Der deutsche Reichstag beschloß im Jahre 1654 in Regensburg ein Grundgesetz zur deutschen Wehrverfassung. Nach §178 dieses sog. "jüngsten Reichsabschiedes vom Jahre 1654" erhielt die Reichskriegsverfassung eine föderative Grundlage, die ganz auf der Kreisverfassung des deutschen Reiches und der Reichsexecutionsordnung aufgebaut war. Danach mußten die einzelnen Reichsglieder und Stände zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, zur Vollziehung der Reichstagsbeschlüsse sowie zur besseren Verteidigung gegen äußere Feinde für Reich und Kaiser eine bestimmte Anzahl von Reitern und Fußtruppen zur Verfügung stellen.

Organisatorisch war das damalige Deutsche Reich in zehn Kreise gegliedert. Die Kreisverwaltungen bildeten dann aus den einzelnen Kontingenten die Kreistruppen und aus diesen Truppen wurde im Falle eines Krieges die Reichsarmee gebildet.

Nach dem Reichsgutachten von 1678 waren die Kreise angewiesen worden, schon im Frieden eine entsprechende Anzahl von Mannschaften bereit zu halten. Namentlich sollten die Befehlshaber vollzählig sein und die Stände angehalten werden, "rechtzeitig eine Anzahl tauglicher Leute anzuwerben und dieselbst in Dienst oder Wartgeld zu nehmen". Durch Reichstagsbeschluß vom 30. August 1681 wurde festgesetzt, wieviel jeder Kreis zur Reichsarmee beizutragen hat. Die Aufteilung der zu stellenden Mannschaften und der zu leistenden Geldbeträge auf die einzelnen Stände war jetzt Sache des jeweiligen Kreises. Auf den Kreistagen wurden die Kriegsmatrikel und die Leistungen der Stände festgelegt. Der niederrheinisch-westfälische Kreis, zu dem auch die "freie Reichsstadt Cölln" gehörte, mußte nach der Reichsmatrikel von 1681 als einfaches Kontingent (Simplum) 1321 Mann zu Pferd und 2708 Mann zu Fuß stellen. Der Anteil der "freien Reichsstadt Cölln" betrug 383 Mann zu Fuß.

Die Stadt Köln kam ihrer Pflicht nach und begann mit dem Aufbau einer stehenden Söldnertruppe. 1681 hatte diese eine Stärke von 3 Kompanien (Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 49 (1978) S. 118 ff.) . Als im Juni/Juli 1684 französische Truppen ins Rheinland einrückten, ließ der Rat noch 1000 Mann Kreistruppen als Verstärkung in die Stadt kommen, die Köln nach dem Waffenstillstand vom 15. August wieder verließen. Nach Beendigung der Gülich'schen Unruhen in Köln zu Beginn des Jahres 1686 wurden nochmals 300 bis 400 Mann in die Stadt geholt, um zusammen mit den Stadtsoldaten für die Aufrechterhaltung der Ruhe zu sorgen.

Mit Beginn des pfälzischorleans'schen Krieges 1688 geriet auch die "freie Reichsstadt Cölln" in Gefahr, von den Truppen Ludwigs des XIV. überrannt zu werden. Die Stadt verstärkte daraufhin im September 1688 ihre Verteidigungsanstrengungen und beschloß die Anwerbung von "200 ungeweibten, wackeren Kerls" zur Verstärkung der Stadtsoldaten. Außerdem zogen am 20. September durch das Eigelsteintor 1200 Mann Pfalz-Neuburgische und 1200 Mann Brandenburgische Kreistruppen als Sicherheitsmaßnahme in die Stadt ein. Sie waren vorher von den städtischen Kriegskommissaren auf den Rat der Stadt vereidigt worden. Die Lage Kölns wurde in den Monaten Oktober und November immer bedrohlicher, die Gefahr einer Belagerung wuchs. Der Rat wandte sich hilfesuchend an den Kaiser und das Kreisdirektorium. Daraufhin wurden nochmals 1200 Mann der Brandenburgischen Regimenter "Ziehten" und "Holstein" sowie 2000 Mann Waldeck'sche Kavallerie in die Stadt gelegt. Insgesamt waren somit rd. 6.000 Soldaten in der Stadt.

In der Zwischenzeit verwüsteten die Franzosen das Kölner Umland. Durch Handstreiche und Streifzüge der Kölner Verteidiger wurden die Franzosen dauernd in Atem gehalten, doch erst die Schlacht bei Uerdingen am 12. März 1689 entspannte die Lage wieder. Der Gegner zog sich in die Bonner Gegend und ins Siebengebirge zurück.

Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, der das Oberkommando über die Reichstruppen hatte, begann am 24. Juli die Belagerung von Bonn. Sämtliche Kreistruppen der Garnison Köln und auch Stadtkölnische Soldaten mit 6 Kartaunen (schwere Geschütze des 15.-17. Jahrhunderts) waren an der Belagerung beteiligt. Die Einnahme Bonns am 12. Oktober 1689 wurde in Köln mit einem "Te Deum" und einem Feuerwerk am 23. Oktober, dem Fest des heiligen Severinus, gefeiert.

Im weiteren Verlauf des Krieges blieben noch zwei Bataillone Brandenburgischer Truppen als Garnison in Köln. Der Unterhalt der Kreistruppen und andere Kriegslasten belasteten die städtischen Finanzen so sehr, dass man gezwungen war, bei den Kaufleuten Geld zu leihen. Die städtischen Soldaten mußten einmal ein halbes Jahr auf ihren Sold warten. Nach Beendigung des Krieges 1697 hatte die Stadt große finanzielle Schulden, aber als kleines reichsstädtisches Gemeinwesen zwischen den großen Mächten seine Freiheit und Unabhängigkeit behauptet, in der Politik immer ganz auf die Treue zu Kaiser und Reich ausgerichtet.

Das Kölner Stadtmilitär im 18. Jahrhundert

Im gesamten 18. Jahrhundert unterhielt die "freie Reichsstadt Cölln" ihr Militärkontingent und kam so ihrer reichsstädtischen Pflicht nach. Die Stärke der stadtkölnischen Truppe betrug im Schnitt 3 Companien (300 Mann). In Kriegszeiten wurde die Truppe erheblich verstärkt. Während des polnischen Erbfolgekrieges 1733-1735 hatte sie eine Stärke von 1000 Mann, 318 davon waren zur Reichsarmee abkommandiert.

Während des siebenjährigen Krieges hielt die Stadt ca. 660 Mann unter Waffen. Das war zu diesem Zeitpunkt eine Notwendigkeit, weil für die Dauer des Krieges französische und österreichische Regimenter in der Stadt einquartiert waren. Um die Ordnung aufrecht zu halten und die Bevölkerung vor Übergriffen fremder Soldaten zu schützen, wurden die Kölner Soldaten als Militärpolizei eingesetzt.

1757 forderte der kaiserliche Resident, der zugleich Kreisvertreter des Kaisers war, den Kölner Magistrat auf, "der Erfüllung seiner Reichspflichten nachzukommen und die Stellung des Kontingentes zur Reichsarmee zu vollführen". Der Magistrat bestand aber auf dem in der Reichsgesetzgebung vorgesehenen Recht "auf Ablösung des Kontingents durch Relationsgelder", d.h., statt der Stellung einer Mannschaft eine entsprechende Geldleistung an den niederrheinisch-westfälischen Kreis zu zahlen. Ein entsprechender Vertrag wurde von beiden Parteien am 15. Dezember geschlossen.

Der kaiserliche Resident versicherte, "dass die freie Reichsstadt Cölln ihrer Reichsschuldigkeit ein volles Genüge geleistet hat und fürderhin auch deshalb in keiner Weise belangt oder vorgefordert werden soll".

Durch die lange Dauer des Krieges geriet die Stadt mit ihren Zahlungen in Verzug, da sie außerdem noch Kriegssteuer und die Einquartierungskosten der verbündeten Truppen in der Stadt bezahlen mußte. Ein kaiserliches Reskript vom 28.07.1762 kündigte eine Maßregelung der Stadt an. Daraufhin nahm Köln neues Kapital auf, um den Reichspflichten zu folgen (Hamacher, W. Die Reichsstadt Köln und der siebenjährige Krieg, Bonn, 1911 5. 11ff).

Der Dienst der Kölner Stadtsoldaten (Auszug aus dem Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 49 (1978) S. 264) bestand in Friedenszeiten aus Wach- und Zolldiensten für die Stadt. Ein täglicher Einsatzplan und die Wacheinteilung regelten den Dienstbetrieb.

Täglich unterzeichneten die Kölner Bürgermeister die Posteneinteilung für die Wachstandorte.

Der Postenzettel vom 10. Juni 1770 gibt eine Übersicht über die Gebäude, Plätze und Stadttore, wo eine Wache aufzog. Wachkommandos, denen Constabelen (Artilleristen) zugeteilt waren, hatten wahrscheinlich an ihrem Standort eine Kanone, die sie zum Signal- und Warn-schießen bedienen mußten.

Posten = Zettul

Posten

Ob.
Off.

Unk. Off.

Corp.

Tamb.

Gefr.

Gem.

Gef.

Piquer
Gem.
Const.

Platz

1

-

2

2

1

17

1

10

-

Markmanns- u. Hafengaß

-

-

1

-

-

7

-

3

-

Rheingaß

-

-

1

-

-

6

-

-

-

Holz-Pfort.

-

-

-

-

1

3

-

-

-

Reckels Kauhl.

-

-

-

-

1

3

-

-

-

Bayen unden

-

-

-

-

1

6

-

-

-

B. Bollwerk. Inv.

-

-

-

-

1

3

-

-

-

Severini

-

-

1

-

-

8

-

-

-

Weyer-Pfort.

-

-

-

-

1

7

-

-

-

Schaafen-Pfort.

-

-

-

-

1

3

-

-

-

Hahnen-Pfort.

-

-

1

-

-

8

-

-

1

Ehren-Pfort.

-

-

-

-

1

5

-

-

-

Friesen-Pfort.

-

-

-

-

1

3

-

-

-

Eigelstein

-

1

-

-

-

8

-

-

-

Cunibertz

-

-

-

-

1

5

-

-

-

Tranckgaß

-

-

-

-

1

7

-

-

-

Neugaß

-

-

-

-

1

3

-

-

-

Müllengaß

-

-

-

-

1

3

-

-

1

Fisch-Pfort.

-

-

-

-

1

4

-

-

-

An St. Paulus

-

-

-

-

1

5

-

-

-

Neumarck.

-

-

1

-

-

7

1

9

-

Zeughauß.

-

1

-

-

-

-

-

-

6

Summa

1

2

7

2

15

121

2

22

8

Zusammen mit Invaliden und Constabelen 180.

Visitatores Severin. Leon Hinsole, Weyer-Pfort. Joan Plück, Hahnen-Pfort. Adam Schmitt, Ehren-Pfort. Joan Mertens, Eigelstein An Schwabenthal, Cunib. Thürngen, Joan Heuman, Tranckgaß Wern, Berndgen, Marckmansgaß. Matth. Hahselweiler, Rheingaß. David Müller, Beyenthurn, henr. Schumacher.

Posten = Zettul.
Vom lOten Juny 1770
An ihre Wohl-Gebohren und
Gestrengen Herren Bürgermeisteren
Von Mülheim

Der in dem Posten = Zettul. angegebene Standort "Platz" bezieht sich auf den Rathausplatz. Auf dem Neumarkt befand sich das Gebäude der Hauptwache, genannt "corps de guarde".

Die Stadtsoldaten gehörten zum täglichen Erscheinungsbild in Köln. Durch ihre leuchtend roten Uniformröcke wurden sie im Volksmund "Rote Funken" genannt. Um die Zeit von 1730-1750 bestand die Bekleidung der Kölner Stadtsoldaten aus tuchenem roten Rock ohne Kragen, mit strohgelben Futter und Ärmelaufschlägen. Die Knöpfe und der Besatz der Röcke waren weiß, schwarz die Beinkleider. Das Kamisol war strohgelb, die Halsbinde schwarz, Mannschaften und Offiziere trugen dreiseitig aufgeklappte schwarze Hüte mit weißen Borten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhielten die roten Röcke weiße Rabatten. Die Ärmelaufschläge, Futter und Kamisol wurden ebenfalls weiß. Die Beinkleider fielen weg, statt dessen wurden weißledernde Hosen mit schwarzen Gamaschen eingeführt. Der schwarze Hut wurde von Musketieren und Offizieren weitergetragen, die Grenadiere erhielten hohe schwarze Grenadiermützen. Der modischen Entwicklung folgend wurde auch die Uniform der Kölner gegen Ende des 18. Jahrhunderts angepaßt. Der sogenannte Dreispitz wurde durch den zweispitzigen Hut abgelöst, ebenso wurden Zierate und später der stehende Kragen eingeführt Zum erstenmal erhielt die Truppe, die 1794 als Kontingent zur Reichsarmee marschierte, Caputröcke nach echt kaiserlichem Schnitt. Der Caputrock war ein Mantel oder Roqelaur aus grauem starken Tuch mit Stehkragen und Taschenklappen in der Regimentsfarbe paspeliert (rot) und einseitig geknöpft. Er wurde über dem Waffenrock getragen.

Die Aufbringung der Mannschaften für das stadtkölnische Militärkontingent geschah durch freie Anwerbung in der Stadt selber, und man bevorzugte Einheimische. In den Akten des Jahres 1718 ist nachzulesen, dass die Kölner Stadtmiliz fast nur aus "Eingeborenen und beweibten Männern" bestand. Daraus geht hervor, dass die Kölner Soldaten verheiratet sein durften, was nach den kaiserlichen Verordnungen, an die sich die Stadt sonst hielt, eine Ausnahmeregelung war.

Nach diesen Verordnungen (Auszug aus dem Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 49 (1978) ~.26O ff.) stellte man im Frieden in puncto Tauglichkeit hohe Anforderungen an die Bewerber. Zur Annahme kamen nur Ledige von gesunden, kräftigem Wuchse im Alter von 20 bis 36 Jahren. Das Minimalkörpermaß für die Linien-Infanterie betrug 165 cm. Bewerber, die sich eines schweren Verbrechens schuldig gemacht hatten, ebenfalls unobligate Leute und solche mit unehrlichem Handwerk (z.B. Abdecker, Scharfrichter) durften nicht ins Heer eingereiht werden. Jeder Geworbene mußte sich mindestens 6 Jahre verpflichten. Bei Rekruten der Artillerie und technischen Truppen wurde mit Rücksicht auf die schwierige Ausbildung eine lebenslängliche Dienstverpflichtung gefordert. Das Werbegeld (Handgeld) betrug 15 Gulden w.w.; davon wurden noch 3 Gulden für den Werber (Zubringer) abgezogen. Die Unterbekleidung mußte ebenfalls von diesem Betrag bezahlt werden. Der tägliche Sold betrug 5 Kreuzer und 1 3/4 Pfund Brot. Den sonstigen Lebensunterhalt mußte der Soldat von seiner Löhnung bestreiten. Auch alles Zubehör zur Adjustierung, wie Lack, Wichse, Puder und Zopfband mußte er selbst aufbringen.

Die geworbenen Leute hielt man nach Ablauf der 6 Dienstjahre zur Erneuerung der Kapitulation an, wofür allerdings nur geringe Beträge in Raten ausgezahlt wurden (Reengagierungsgeld). Nach mehrmaliger Erneuerung der Kapitulation stand ihnen eine Invalidenversorgung zu. Ein Halbinvalide konnte noch zu Wachdiensten herangezogen werden. Ein Soldat, der auch zum Wachdienst nicht mehr gebraucht werden konnte, kam in den Realinvalidenstand. Die tägliche Brotportion erhielt er weiter, die Pension richtete sich nach dem Dienstgrad des Betroffenen.

Nebeneinkünfte

Von den 5 Kreuzern täglich konnten die verheirateten Soldaten den Lebensunterhalt für ihre Familien kaum bestreiten. Darum waren sie gezwungen auch noch nebenberuflich eine Tätigkeit auszuüben. Die Verordnung „Arbeitsnormale" diente mit 9 Paragraphen als Richtlinie für die Nebentätigkeiten.

In § 2 heißt es: "In soweit die Mannschaft ohne Versäumnis des Dienstes in den Nebenstunden verdient, ist dieselbe bei vollem Traktament zu belassen."

Eine sehr lukrative Einnahme für die Kölner Stadtsoldaten war, sich als Anbringer oder Unterhändler für die fremden Werbekommandos in der Stadt zu betätigen (Dr. Heuel, Th.: Truppenwerbungen in der Reichsstadt Köln in der 1. Hälfte des 15. Jahrhundert. Bonn 1911). In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war die Reichsstadt Köln für Truppenwerbungen ein Platz ersten Ranges. Besonders häufig wurde Köln von kaiserlichen, preußischen und dänischen Werbern aufgesucht.

Die Werber gehörten zum täglichen Erscheinungsbild auf den Straßen der Stadt. Fast an jeder Ecke standen Werber in anderen Uniformen, die Trommel wurde gerührt, man versuchte sich gegenseitig die Leute wegzufangen. Dem Kriegskommissariat der Stadt fiel die Aufgabe zu, die Werbungen zu überwachen und Exzesse und gewaltsame Übergriffe zu verhindern. Zur Förderung ihrer Tätigkeit hielten die Werber eine Anzahl von Unterhändlern, die beim "Anbringen" ebenfalls mitverdienten. Die Stadtsoldaten, in erster Linie die Offiziere, waren an diesem Geschäft stark beteiligt.

Ein Unterhändler erhielt in der Regel pro Mann 3 Florin, was etwa dem Monatseinkommen eines einfachen Soldaten entsprach. Im Jahre 1710 bestimmte der Rat, um den Eifer Einzelner zu vermindern, dass die "Anbringungsgelder in einer Kasse zusammengetragen und nachher der Billigkeit nach partagiert werden sollen". Ein Jahr später wurde der Stadtmiliz unter Androhung schwerer Strafen befohlen, "die Ankömmlinge, die sie an den Stadttoren in Empfang genommen hätten, zunächst auf die Hauptwache zu führen, um hier die für die Stadt tauglichen Leute aussuchen zu können". Die anderen wurden dann fremden Werbern überlassen. Somit zog auch der Rat seinen Nutzen aus dem Anbringungsgeschäft. Kölner Bürger konnten nicht durch solche "Anbringungen" irgendwelchen Werbern zugeführt werden. Sie waren durch ein städtisches Gesetz vor solchen Maßnahmen geschützt. So wurden hauptsächlich fremde Handwerksburschen Opfer dieser doch recht fragwürdigen Methoden.

Reglements und Rangliste

(Auszug aus dem Jahrbuch d. Kölnischen Geschichtsvereins (49)1978 S.262)

Die ganze Elementartaktik der Infanterie bewegte sich in den pedantischen Formen des Reglements von 1769. Für dieses Reglement wurde dauernd geübt und exerziert. Bevor der Mann zum Dienst erschien, brauchte er 3 Stunden, um seine Adjustierung instand zu setzen und seine Haartracht mit Zöpfen und Locken in Ordnung zu bringen. Die übrige Zeit wurde mit Wachtparaden, Wachdienst und mit dem Exerzieren ausgefüllt. Bei der langen Dienstzeit erlangten die Leute eine große Geschicklichkeit in den Exerzierkünsten.

Zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Disziplin wurde das geringste Vergehen mit Züchtigung bestraft. Die häufigsten Disziplinarstrafen waren Arrest und Stockhiebe. Diebstahl, Mißhandlungen, Raufereien, Beschädigungen in Wald und Flur und Desertation wurden mit Gassenlaufen bestraft. Auf Verräterei, Mord, Plünderung, Meuterei, Duellieren und Überlaufen stand die Todesstrafe.

Stockstrafe

Der gemeine Mann soll ebenfalls nicht gleich, sondern erst nach vorhergegangenen Verweisen, Arrest und Strafwachen mit Stockstreichen laut Regl. pag. 48 und zwar nicht mehr, als vorgeschrieben ist, bestraft werden, noch sind die Stockstreiche "in fraudem legis"( in Umgehung des Gesetzes) , in mehrere Tage zu verteilen.

"Die Stöcke der Corporalen sollen von Haselholz und jene des Führers und Feldwäbels spanische Röhre (Peddigrohr) seyn, aber bey Degradierungsstrafen unten dicker, als das Gewehrcalibre, auch unten weder beschlagen noch mit einem Vorgewächs versehen seyn; dann ist bey den Bestrafungen niemals mit der Spitze sondern mit vollem Stock zu schlagen. Keine Bestrafung soll fürobhin in einem Zimmer, sondern öffentlich zu jedermanns Erspiegelung geschehen."glichen Erscheinungsbild auf den Stra

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Reglements und Rangliste

(Auszug aus dem Jahrbuch d. Kö

Die ganze Elementartaktik der Infanterie bewegte sich in den pedantischen Formen des Reglements von 1769. Fü

Zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Disziplin wurde das geringste Vergehen mit Zü

Stockstrafe

Der gemeine Mann soll ebenfalls nicht gleich, sondern erst nach vorhergegangenen Verweisen, Arrest und Strafwachen mit Stockstreichen laut Regl. pag. 48 und zwar nicht mehr, als vorgeschrieben ist, bestraft werden, noch sind die Stockstreiche "

"

Rangliste eines K. K. Regiments mit Gebühren im Frieden das dem "Militär Contingents der Kay. Fr. R. Stadt Cölln" als Vorbild diente

Monatliche Gage

Tägliche Portion

fl. 10

Kr.11

Pferd
Brot
Obristen und Kommendant

149

33 6/8

-
-
Obristlieutenant

110

9 3/8

-
-
1ster Major

79

49

3
-
2ter Major

71

42 4/8

2
-
Regimentskaplan

23

25 2/8
-
-
Auditor

34

43 4/8
-
-
Rechnungsführer

25

31 3/8
-
-
-
-
Regimentschyrurgi

25

31 3/8
-
-
ord. Cadet

7

-
-
1
Bataillon Chyrurgi

15

-
-
1
Unterfeldscheer

14

-
-
1
Fourier

14

-
-
1
Regimentstambour

5

5
-
-
Profoss

25

31 3/8
-
-
Hauptmann

71

42 4/8
-
-
Capitainlieutnant

39

2 4/8
-
-
Oberlieutnant
26
48 6/8
-
-
Unterlieutnant

22

37
-
-
Fähnrich

19

42
-
-
10 Fl. = Florin, franz. Name für Gulden; ursprünglich ital. Münzenbezeichnung
11 Kr. = Kreuzer = 1/60 Gulden

Tägliches Traktament

Monatliche Gage

Tägliche Portion

fl. 10

Kr.11

Pferd
Brot
Feldwäbel

15

-
1
Führer

10

-
1
Corporal

10

-
1
Gefreyter

74/8

-
1
Fourierschütz
5
-
1
Spielmann
5
-
1
Zimmermann
5
-
1
Gemeiner
5
-
1

N.B.: Bey den Grenadiers bekömmt der Fourierschütz, Spielmann, Zimmermann und Gemeine täglich 1 kr. mehr. Laut Regl. pag. 65.

Die Reform von 1783

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts traten dann beim Kölner Stadtmilitär die Zustände auf, die heute am bekanntesten sind. Die Truppe soll auch im Dienst viel dem Alkohol zugesprochen haben, Dienstauffassung und Disziplin waren merklich heruntergekommen. Ein regelrechter Dienstbetrieb war kaum noch aufrecht zu erhalten, die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Stadt waren gefährdet (Auszug aus dem Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins (48) 1977 F. Schwarz: Die Kölner Stadt-Soldaten am Ende der reichsstädtischen Zeit, S.151 ff.).

Der Rat der Stadt beschloß dem Übel entgegenzutreten und setzte einen neuen Kommandeur an die Spitze des Kölner Militärs. Durch die Ernennung von Caspar Josef Carl von Mylius zum Stadtkommandanten und Obrist-Leutnant, Generaladjudanten des niederrheinisch-westfälischen Kreises kam es zu einer grundlegenden Reform des Kölner Militärwesens.

Von Mylius war am 11.11.1749 in Köln als sechster Sohn des damaligen Bürgermeisters geboren worden. Caspar schlug wie alle seine Brüder die militärische Laufbahn ein und trat 1766 ins kaiserliche Heer ein. Bis zu seiner Ernennung zum Stadtkommandanten war er 18 Jahre im kaiserlichen Dienst beim k.u.k. Infanterie-Regiment "Brinken".

Zeitgenossen berichteten über die Reform, „dass die städtischen Soldaten so in den Waffen geübt waren, dass sie es in dieser Hinsicht mit Truppen jeder Macht aufnehmen konnten".

Von Mylius wird auch das Karnevalslied vom „Treuen Husaren" zugeschrieben. Er soll es aus Österreich mit nach Köln gebracht haben, seitdem wird es in Köln zur Karnevalszeit gesungen. Den Beweis fand man nach seinem Tod 1831. In seinem Nachlaß war eine handgeschriebene Textfassung aus dem Jahr 1781, die nachweislich die älteste überhaupt ist.